Kino: Leighs "Happy-go-lucky" zeigt bunte Welt

Poppy ist der personifizierte Sonnenschein. Mag der Buchhändler eine Spaßbremse sein, ihr Fahrlehrer ein Choleriker: Poppy lässt sich die Laune nicht vermiesen. Eine Frau, die heiter beschwingt durch den Tag tänzelt, das ist neu in einem Film von Mike Leigh.

von Von Kai-Uwe Brinkmann

, 07.07.2008, 15:13 Uhr / Lesedauer: 1 min
Die Welt von Poppy (Sally Hawkins) ist bunt, ein wenig chaotisch, aber intakt.

Die Welt von Poppy (Sally Hawkins) ist bunt, ein wenig chaotisch, aber intakt.

Mit "Happy-go-lucky" präsentiert sich der britische Regisseur von einer ungewohnt optimistischen Seite. Man schätzt ihn als Macher von Sozialstudien mit Klassenbewusstsein ("Vera Drake", "All Or Nothing"), bevölkert von Glückssuchern, die gegen die Verhältnisse ankämpfen und doch gefangen sind in einer deprimierenden Wirklichkeit. Und jetzt ein Wohlfühl-Stück über eine Frau, die das Glück nicht suchen muss, weil sie es in sich trägt. Sally Hawkins spielt die Grundschullehrerin Poppy. Glucksend und kichernd ist sie unterwegs auf der Sonnenseite der Straße.

Poppy ist Anfang 30, aber im besten Sinne Kind geblieben: Offen, neugierig, gutherzig geht sie auf Menschen zu. Das kann ein Penner sein oder ein auffälliges Kind in ihrer Klasse. Poppy hat ein Ohr für jeden und kennt keine Scheuklappen. Geborgen in einem Kokon aus (Frauen-) Freundschaft und Wärme, ist sie eins mit sich und dem Leben.

Viel Gemenschel, wenig Handlung

Ob sie mit ihrer Clique um die Häuser zieht oder in Cowboystiefeln den Flamenco-Kurs besucht: Poppy hat ein inneres Leuchtfeuer. Da kann ihre Schwester noch so sehr den Dreiklang von Planung, Verantwortung, Eigenheim predigen, Poppys Welt ist bunt, ein wenig chaotisch, aber intakt...

Sally Hawkins geht in ihrer Rolle völlig auf. Man muss Poppy einfach gern haben, auch wenn sie uns zuweilen auf den Keks geht. Leider stagniert "Happy-go-lucky" auf der Ebene penetranten Gemenschels. Es passiert nicht viel, die Zentralfigur durchläuft keine Häutungen. So werden die zwei Stunden etwas zäh. Und die operettenhaft-altbackene Musik könnte ruhig, nun ja: poppiger sein.