Kinofilm über Hape Kerkeling wird im Ruhrgebiet gedreht

Von Regisseurin Caroline Link

Wir sehen einen blonden Wonneproppen, der Cindy & Bert singt, in Frauenkleider schlüpft und viel Spaß hat an Zarah Leander, Schlagern und Verkleidung. Der neunjährige Julius Weckauf spielt Hape Kerkeling im Film „Der Junge muss an die frische Luft“, der jetzt im Ruhrgebiet gedreht wird.

OBERHAUSEN

, 16.08.2017, 16:06 Uhr / Lesedauer: 2 min

In den wenigen Szenen, die am Dienstag beim Pressetermin in Oberhausen gezeigt wurden, wird schon deutlich, dass Regisseurin Caroline Link in Julius Weckauf einen Darsteller gefunden hat, der Schalk, Mutterwitz, Spielfreude des jungen Hans-Peter Kerkeling umwerfend goldig auf die Leinwand bringt.

Der Film beruht auf Kerkelings autobiografischem Buch und erzählt aus der Kindheit des 1964 in Recklinghausen geborenen Entertainers. Noch produziert sich der pummelige „Karlsson vom Dach“ vor der Verwandtschaft, die er mit Parodien auf Stars der ZDF-Hitparade unterhält, aber Oma Änne (Hedi Kriegeskotte) prophezeit ihm schon, er werde mal sehr berühmt sein.

Kerkeling-Film mit tragischer Tiefe

Doch vorher, und das gibt dem Film tragische Tiefe, geht der Neunjährige durch eine Katastrophe, die sein Leben überschatten und prägen wird: Seine depressive Mutter (von Luise Heyer gespielt) nimmt sich das Leben. „Der Junge muss an die frische Luft“, sagt Opa Willi (Joachim Król), als er sieht, dass der Enkel vor Trauer zu verkümmern droht.

Kleiner Mann, was nun? Wie steckt ein Kind den Tod der Mutter weg, die es mit seinen Darbietungen zum Lachen bringen wollte? Caroline Link weiß, dass sie eine Gratwanderung zu meistern hat: „Über die Gefühlslage habe ich viel gegrübelt. Mit der Kamerafrau gehe ich jede Szene durch, damit kein falscher Ton aufkommt.

Die Leichtigkeit, die vorher da ist, müssen wir mit diesem Knacks in Hapes Leben in Einklang bringen. Das sind wir ihm schuldig. Es ist schwierig, macht aber die emotionale Stärke der Geschichte aus.“

Hape selbst kommentierte das Drehbuch

Hape Kerkeling habe jede Fassung des Drehbuchs von Ruth Toma gelesen und klug kommentiert, erzählt die Regisseurin: „Wenn er sagt, da und dort tümeln die Dialoge zu sehr nach Ruhrpott-Deutsch, dann hat das Hand und Fuß. Bei den Dreharbeiten hält Hape sich heraus, weil er weiß, dass Regisseure ihre Sicht einbringen.

Ich denke, er vertraut uns und gibt uns deshalb diese Freiheit.“ Beim Dreh in Berlin war Kerkeling auf Stippvisite am Set, hören wir, und Julius Weckauf hat ihn getroffen: „Er war sehr nett. Ich kannte Horst Schlämmer, wusste aber nicht, dass das Hape Kerkeling ist. Da war ich ganz schön überrascht.“

An 17 Orten im Ruhrgebiet wird gedreht

Seit Anfang August dreht Caroline Link im Ruhrgebiet, an 17 Orten in Essen, Duisburg, Gelsenkirchen, Bottrop, Mülheim und Oberhausen. Am Dienstag stand ein Karnevalsumzug auf dem Drehplan, gefilmt wurde in Duisburg.

In dieser Geschichte aus dem alten Westen schmecke er seine Kindheit, sagt Joachim Król: „Toll, was die Ausstatter leisten. Die Küche der Kerkelings erinnert mich an unsere Küche, da stimmt jedes Detail.“ Ein bisschen Zeitreise ist also auch dabei in einem tragikomischen Film (Budget 6,5 Millionen Euro), der zu Weihnachten 2018 in den Kinos starten wird.

Als subjektives Panorama einer Kindheit im Ruhrgebiet wurde Hape Kerkelings autobiografisches Buch (2014 erschienen) von der Presse gelobt. Es sei von „entwaffnender Bescheidenheit und spürbarer Fabulierlust“ und erzähle von der Selbstfindung des späteren Komikers, der durch den Selbstmord der Mutter den Willen entwickelte, die Welt zum Lachen bringen zu wollen.

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