Kirchen vom harten Osterlockdown kalt erwischt – und verärgert

Coronavirus

Bund und Länder bitten die Kirchen in Deutschland, auf Präsenzgottesdienste in der Osterzeit zu verzichten. Doch die Spitzen von Bischofskonferenz und Evangelischer Kirche reagieren verschnupft.

Berlin

23.03.2021, 18:35 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bund und Länder bitten die Kirchen in Deutschland, auf Präsenzgottesdienste in der Osterzeit zu verzichten.

Bund und Länder bitten die Kirchen in Deutschland, auf Präsenzgottesdienste in der Osterzeit zu verzichten. © picture alliance/dpa

Damit hatte niemand in den oberen Kirchenhierarchien gerechnet. Mit den Ostergottesdiensten in Kirchen sollen auch dieses Jahr die Feierlichkeiten zum höchsten Christenfest ausfallen. Wie schon 2020. Wie alle anderen Versammlungen und Veranstaltungen auch.

Das ist jedenfalls die Vorstellung von Bund und Ländern nach dem jüngsten Corona-Gipfel von Bundeskanzlerin, Bundesministern und Ministerpräsidenten. „Bund und Länder werden auf die Religionsgemeinschaften zugehen mit der Bitte, religiöse Versammlungen in dieser Zeit nur virtuell durchzuführen“, heißt es in den Beschlüssen.

Die Rede ist von einer „erweiterten Ruhezeit“ zu Ostern. Der Gründonnerstag (1. April) und der Karsamstag (3. April) sollen zu einmaligen Ruhetagen erklärt werden, sodass das Land vom 1. April bis zum Ostermontag am 5. April komplett herunterfährt.

Die Kirchen hat das kalt erwischt – wo doch unmittelbar vor der Konferenz über noch erweiterte Möglichkeiten für Familienzusammenkünfte diskutiert wurde. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, erläuterte am Dienstag in einem Tweet seinen Ärger: „Wir sind überrascht worden. Ostern ist das wichtigste Fest für uns, Gottesdienste sind kein Beiwerk.“

Der Limburger Bischof verweist darauf, dass seine Kirche Weihnachten bewiesen hätte, wie mit Vorsicht Messen gefeiert werden könnten. „Darauf wollen wir Ostern nicht verzichten. Wir werden es in die Gespräche einbringen.“

Auch die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) reagierte irritiert. Noch am Montag hatte Ratspräsident Heinrich Bedford-Strohm gesagt: „Die Hygienekonzepte der Kirchen haben sich bewährt.“ Man sei „in guten Gesprächen“ mit den Behörden und habe „keinen Anlass“, daran zu zweifeln, dass die Gottesdienste zum Osterfest stattfinden könnten.

Einen Tag später das unsanfte Erwachen. „Der Beschluss des Corona-Gipfels hat uns sehr überrascht, zumal davon das wichtigste Fest der Christen betroffen wäre“, erklärte Bedford-Strohm auf Anfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND). „Wir werden uns in den von der Bundeskanzlerin angekündigten Gesprächen zunächst genau erläutern lassen, warum die bewährten Hygieneschutzmaßnahmen, die alle Landeskirchen für ihre Gottesdiensten haben, nun nicht mehr ausreichen sollen.“

Bei Protestanten und Katholiken wird nun in den Gremien beraten, wie die Kirchen mit der Bitte von Bund und Ländern umgehen wollen. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), die Laienorganisation der katholischen Christen, dringt darauf, Bund und Ländern die Bedeutung der Lithurgien zum Osterfest deutlich zu machen.

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ZdK-Präsident Thomas Sternberg sagte dem RND, Kirche können man nicht auf Gottesdienste reduzieren. „Die Sorgen der Pandemie werden auch die Gottesdienste zu Ostern berühren. Sie sind alles andere als unwichtig. Gerade an den höchsten Feiertagen sind sie unersetzbare Bestandteile christlichen Lebens.“

„Kein katholischer Gottesdienst wurde zum Corona-Hotspot“

Sternberg verweist auf strenge Schutzkonzepte. „Nicht zuletzt hat die Weihnachtszeit gezeigt: Kein katholischer Gottesdienst wurde zum Corona-Hotspot. Daran können wir anknüpfen in den Ostertagen. Es muss in den Gesprächen mit Bund und Ländern deutlich werden, dass die Öffnung der Kirchentüren zu Ostern etwas anderes ist als die Öffnung irgendwelcher Geschäfte.“

Dies, so Sternberg, sei kein Leichtsinn, sondern verantwortungsvoll unter Wahrung strenger Regeln möglich. „Wir sehen unsere Verantwortung für die Menschen und nehmen die dritte Welle der Pandemie sehr ernst.“

Die deutschen Katholiken appellieren an die öffentlich-rechtlichen Medien, Sendeplätze für die Übertragungen der Ostergottesdienste zu schaffen. „Sicher können und sollen nicht alle zur Kirche gehen. Streams allein reichen da nicht aus“, so ZdK-Präsident Sternberg. „Gerade an diesem Ostern müssen die Liturgien in den Medien präsent sein.“

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