Kleine, große Welt der Puppen

Museum Bergkamen

BERGKAMEN Vor 72 Jahren begann alles mit Erika: Erika trägt die Haare blond, dazu weiße Söckchen und knallrote Schühchen. Früher saß Erika im Kinderzimmer von Eva Eckold, jetzt hat sie in einer Vitrine im Stadtmuseum Bergkamen Platz genommen.

von Von Katharina Pfeifle

, 15.03.2011, 12:15 Uhr / Lesedauer: 2 min
Auch das Schildkröt-Modell "Ursel" fehlt nicht.

Auch das Schildkröt-Modell "Ursel" fehlt nicht.

Hergestellt wurde die Celluloid-Puppe Erika von der Firma Schildkröt, sie ist Teil der Ausstellung "Vom Püppchen zur Puppe - kleine, große Welt", die zurzeit im Stadtmuseum Bergkamen zu sehen ist. Die Doppelschau zeigt zum einen Eva Eckolds Schildkröt-Puppen-Sammlung, die Eckold 2008 dem Museum übergab. Ihr gegenübergestellt sind Porzellanpuppen der Firma Hertwig, Leihgaben aus dem Museum der Stadt Ratingen. Über Jahrzehnte trug die in Bergkamen aufgewachsene Eckold ihre umfangreiche Sammlung zusammen. Sie reicht von den ersten Exemplaren aus der Frühzeit der Celluloid-Puppenherstellung bis hin zu den Klassik-Editionen, die heute noch in begrenzter Auflage produziert werden.Erinnerungen Mit den runden Kulleraugen von Hans, Bärbel, Inge oder Christel sind nicht nur viele Erinnerungen verbunden - sie erzählen auch ein Stück Zeitgeschichte. 1896 produzierte die Firma Schildkröt, die mittlerweile ihren Sitz in Thüringen hat, die erste Celluloid-Puppe. Das Material brachte viele Vorteile, es galt als bruchfest, hygienisch und preiswert - die Schildkröt-Puppe wurde zum Verkaufsschlager und eroberte die ganze Welt. Auch allerhand Zubehör ist in der Schau zu sehen, es fasziniert vor allem mit seinen liebevollen Details: In der Miniatur-Puppen-Küche fehlen weder die gehäkelten Topflappen, noch die Spitzengardinen an der Wand. Verlockend steht das Waffeleisen auf dem Tisch. Der Kaufladen nach Wiener Muster (um 1920) lässt nichts in seinem Sortiment vermissen - derweil verbreitet das Wohnzimmer mit gepolsterter Couch, Standuhr und Klavier eine heimelige Atmosphäre. Im Kontrast zu der Schildkröt-Puppe für Jedermann stehen die Hertwig-Porzellanpuppen, die für eine wohlhabendere Oberschicht hergestellt wurden. 1864 wurde die Porzellan- und Steingutfabrik in Thüringen gegründet, sie bestand bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs.Polarforscher Die Puppen, teils winzig klein, sind ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Moden und Ereignisse: Inspiriert von dem Polarforscher Robert E. Peary (1856-1920) tollen zum Beispiel die "Snow Babies" durch die Schnee-Watte. Und die damals angesagte Hutkollektion lässt sich eins zu eins an den anmodellierten Hauben der "Bonnet-Dolls" nachvollziehen. Stadtmuseum Bergkamen: "Vom Püppchen zur Puppe", bis 15. Mai, Jahnstraße 31, Di-Fr 10-12 u. 14-17 Uhr, Sa 14-17, So 11-18, Eintritt ist frei.www.stadtmuseum-bergkamen.de

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