Köstlich abgründiger Affentanz für zwei Schauspieler

Ruhrfestspiele: "Endspiel"

Der Mensch als ein Geschöpf, das nicht nur lebt, um zu essen und zu verdauen, sondern mehr will: Zerstreuung. Und Spiele, mit denen den Fluch von Denken und Vernunft in einen Trost verwandeln will. Demnach kann man Samuel Becketts „Endspiel“ auf die Formel „Ich spiele, also bin ich!“ bringen.

MARL

, 19.05.2014, 10:00 Uhr / Lesedauer: 1 min
Wolfram Koch spielt den Diener Clov.

Wolfram Koch spielt den Diener Clov.

Hamm und Clov mögen die endlosen Wiederholungen ihres Geplappers satt haben, das Publikum im Theater Marl amüsierte sich königlich in Jan Bosses Fassung des „Endspiels“, gesehen bei den Ruhrfestspielen. So witzig wie im Gastspiel des Deutschen Theaters Berlin hat man diesen Beckett noch nicht gesehen.Ulrich Matthes als der blinde Hamm und Wolfram Koch als sein Diener Clov sind ein Ereignis. Wie beide in Hassliebe sich umkreisen, bis zum Überdruss ihre Kommunikationsrituale abspulen, das ist allerbeste Unterhaltung. Angewidert von Gewohnheit und Langeweile können sie nicht anders – ein trotzig behaupteter Spieltrieb ist ihre essentielle Lebensäußerung.

Matthes, Glitzeranzug, verspiegelte Brille, thront in der Mitte einer schiefen Ebene. Koch, Hausfrauenkittel und Sandalen, ist sein Hofnarr, der um ihn herum scharwenzelt: genervt, aufmüpfig, aber zu Diensten. „Erfinde was!“, befiehlt Hamm, und Clov saugt sich etwas aus den Fingern.Wunderbar, wie bei Koch Körperkomik und Mienenspiel zu Slapstick verschmelzen. Wie er Backen-schlackernd einen Wecker spielt – saukomisch. Er guckt finster debil, durchgeknallt blöde oder treudoof beflissen, kann aber seinem Herrn Paroli bieten. Matthes ist über die Sprache präsent. Sein Hamm diktiert die Regeln dieses köstlich abgründigen Affentanzes für zwei. Donnernder Applaus.