Konzerte laufen der Oper den Rang ab

Statistik Bühnenverein

Klassische Musik hat es schwer, wird immer gesagt. Natürlich gehen mehr Menschen in Popkonzerte, aber Klassik-Konzerte laufen inzwischen der Oper den Rang ab. Das geht aus der Statistik des Deutschen Bühnenvereins und der Häuser in der Region hervor.

DORTMUND / ESSEN

, 07.07.2015, 16:06 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bundesweit hatten die 130 Orchester in Deutschland in der Saison 2012/2013 rund 5,4 Millionen Besucher. Im selben Zeitraum gingen aber nur 4,5 Millionen Zuschauer in die Oper in einem der 142 öffentlich getragenen Theater der Bundesrepublik.

Der Trend lässt sich auch für die Städte in der Region, in denen es ein Konzerthaus und eine Oper gibt, ablesen.

 

Konzerthaus und Oper Dortmund:

So hat das Konzerthaus Dortmund seit Jahren eine konstante Besucherzahl von mindestens 77 000 Zuschauern in rund 100 Eigenveranstaltungen pro Saison. Das „Stell Dich der Klassik“-Motto der vergangenen Saison scheint Früchte zu tragen: In der abgelaufenen Saison kamen 80 000 Zuhörer.

Mit den Dortmunder Philharmonikern, die es in rund 40 Konzerten auf 32 000 Besucher bringen, gab es in Dortmund also 112 000 Zuschauer. Das sind im Schnitt 800 Besucher pro Konzert und insgesamt 38 000 mehr als in der Oper: Die verzeichnet in der Saison 2014/15 rund 74 000 Besucher in 115 Vorstellungen, im Schnitt also 643 Zuschauer pro Vorstellung.  

Philharmonie und Oper Essen:  

In Essen ist das Verhältnis ähnlich: Die Philharmonie Essen hatte in der Saison 2014/15 in 141 Konzerten (darunter auch kleine im RWE-Pavillon) 73 800 Besucher.

Mit den Essener Philharmonikern, die wie ihre Kollegen in Dortmund 32 000 Zuhörer hatten, sind das im Schnitt 620 Besucher pro Konzert und rund 30 000 Zuschauer mehr als die 84 000, die in der Spielzeit 2014/15 in die 112 Vorstellungen der Aalto-Oper kamen. Da lag der Durchschnittsbesuch bei 750 Zuschauern.  

Trend seit zehn Jahren

In der Statistik des Bühnenvereins ist der Trend über einen Zeitraum von zehn Jahren gut ablesbar: In der Saison 2001/02 gab es bundesweit noch 5,4 Millionen Besucher in den Opernhäusern; aber nur rund 4,2 Millionen Konzertbesucher. Diese Zahl hat sich in den vergangenen zehn Jahren nun umgedreht.

In Dortmund und Essen hat sich die Zahl der Konzertbesucher seit 2002 sogar vervielfacht, denn das Konzerthaus Dortmund wurde erst 2002, die Philharmonie Essen sogar erst 2003 eröffnet. Aber heute gibt es in Dortmund offenbar mehr Publikum für alle Häuser: Oper und Ballett hatten in der abgelaufenen Saison 116 000 Zuschauer – 13.000 mehr als in dem Jahr, in dem das Konzerthaus eröffnet wurde.  

Mehr Zuschauer im Theater als beim Fußball

Es läge am Regietheater in den Opernhäusern, dass die Konzerte dem Musiktheater den Rang ablaufen, sagen Klassik-Puristen. „Es ist einfach so, dass die Oper Konkurrenz bekommen hat“, sagt der Dortmunder Konzerthaus-Intendant Benedikt Stampa, der mit Weltstars gegen die Publikumslieblinge der Oper antritt. Der Bühnenverein möchte nicht ein Genre gegen das andere ausspielen und ist stolz auf die Gesamtzahl: 20,6 Millionen Zuschauer sind in der Saison 2012/13 in ein Theater oder Konzerthaus gegangen“, so Vera Scory Engels. Das entspricht einem Viertel der Einwohnerzahl der Bundesrepublik.

Und es sind knapp sieben Millionen Besucher mehr als Menschen, die in einer Saison in der ersten Fußball-Bundesliga im Stadion waren – allerdings bei nur 612 Spielen. In den Theatern und Konzerthäusern ging der Vorhang rund 25.000 Mal hoch.