Korea kann Kunst

Osthaus-Museum Hagen

Korea? Da fällt einem (leider) als erstes dieser dicke Diktator namens Kim Jong-un ein, der Nordkorea fest im Griff seiner fleischigen Hände hat. Dass dagegen im demokratischen Südkorea eine junge Kunstszene blüht und gedeiht, weiß kaum jemand. Da muss erst das große Ausstellungsprojekt "Transfer Korea-NRW" kommen, um uns die Augen zu öffnen.

HAGEN

von Von Bettina Jäger

, 17.10.2013, 19:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ausstellungen in Hagen, Düsseldorf und Bonn sowie drei Präsentationen in Seoul/Südkorea gehören dazu. "Diesen Ausstellungen ist ein dreijähriger Dialog vorausgegangen", sagte gestern Christian Esch, Leiter des Kultursekretariates NRW. Jede Schau präsentiert nämlich deutsche und koreanische Künstler, die vorher mit Hilfe von Stipendien das andere Land kennenlernen durften. Zum neunten Mal organisiert das Sekretariat einen solchen Austausch, der im Osthaus-Museum Hagen von Museumsdirektor Tayfun Belgin kuratiert wurde.Brückenschlag mit exotischem Charme

Wer dort nun einen west-östlichen Brückenschlag mit dem exotischen Charme Asiens erwartet, hat sogar Recht. Nur anders als erwartet. Bunt und anmutig, aber auch schräg, kritisch und zeitgemäß sind die Werke der vier jungen Koreaner. Sehr sehenswert! Vor allem in den Fotocollagen der Künstlerin Won Seoung won verschmelzen eine verblüffende Herstellungstechnik und die Erforschung der menschlichen Psyche - Tiere stehen hier für Charaktereigenschaften des Menschen - zu grandiosen Wimmelbildern.

Kira Kim verändert in seinen Ölgemälden Motive, die aus den Massenmedien bekannt sind. Sein Hitler-Porträt (Foto) mit blauem Auge zeigt kein überlebensgroßes Monster, sondern bloß einen miesen Wicht und Schläger in bekleckerter Uniform.Tradition zerschlagen und neu fassen

Interessant ist der Umgang mit der Tradition, wie ihn Künstlerin Yeesookyung angeht. Sie montiert zerschlagene Porzellanvasen zu neuen, abstrakten Formen mit goldenen Adern. Am intensivsten mit Deutschland hat sich Na Hyun beschäftigt. Seine Arbeit "Teufelsberg" hält uns den Spiegel vor. Da liegt zum Beispiel eine 1914 erschienene Broschüre über die "Jüdische Mischehe", wohl ein Vorläufer der antisemitischen Machwerke der Nazis.

Juergen Staack gehört zu den vier deutschen Künstlern der Schau. Er hat ein Telefon aufgestellt, mit dem man (Geldeinwurf notwendig) eine ähnliche Zelle in Südkorea anrufen kann. Mal gucken, wer sich da meldet.Osthaus-Museum Hagen, Museumsplatz 1, 19.10. 2013 (Eröffnung 16 Uhr)-12.1.2014, Di/Mi/Fr 10-17, Do 13-20, Sa/So 11-18 Uhr. Zu Eröffnung gibt´s eine Kunstperformance am Samstag, 19. Oktober, 15-19 Uhr und an diesem Sonntag, 20. Oktober, 12-17 Uhr. Kunsthalle Düsseldorf, Grabbeplatz 4, Eröffnung 18.10.2013 um 19 Uhr, 19.10.2013- 5.1.2014, Di-So 11-18 Uhr. Kunstmuseum Bonn, Friedrich-Ebert-Allee 2, Schau hat bereits begonnen, bis 9.2.14, Di-So 11-18, Mi 11-21 Uhr.  

 

 

Lesen Sie jetzt