Kräftiger Anstieg der Kurzarbeit: „Aktuell sind viele verunsichert“

Coronavirus

Kurzarbeit soll verhindern, dass Mitarbeitern in der Krise sofort die Entlassung droht. Davon haben in NRW schon wenige Tage nach den Einschränkungen mehr als 10.000 Unternehmen Gebrauch gemacht.

Düsseldorf

31.03.2020, 08:25 Uhr / Lesedauer: 2 min
Viele Unternehmen haben Kurzarbeit angezeigt.

Viele Unternehmen haben Kurzarbeit angezeigt. © picture alliance/dpa

Die Corona-Krise hat in Nordrhein-Westfalen zu einem kräftigen Anstieg der Kurzarbeit geführt. Die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit hatte wenige Tage nach dem Inkrafttreten der Einschränkungen ab dem 16. März von landesweit bereits deutlich über 10 000 Unternehmen berichtet, die Kurzarbeit angezeigt haben. An diesem Dienstagnachmittag (14.00 Uhr) will die Regionaldirektion NRW eine Hochrechnung zur Kurzarbeit für den Monat März veröffentlichen.

„Aktuell sind viele Arbeitgeber wie auch viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in NRW verunsichert“, hatte Regionaldirektionschef Torsten Withake am 20. März erklärt. Die Jobcenter und die Agenturen für Arbeit seien auch in dieser besonderen Situation für die Menschen und die Unternehmen da. „Wir haben unser Personal zusammengezogen und arbeiten unter Hochdruck daran, allen betroffenen Unternehmen und allen betroffenen Menschen schnell und unbürokratisch zu helfen.“

Corona-Krise wird sich erst im April niederschlagen

Die Arbeitsmarktdaten für den Monat März spiegeln aber noch nicht die Krise wieder, da zum Stichtag 12. März noch die Frühjahrsbelebung eine Rolle spielte. Die Schließungen von zahlreichen Restaurants und Läden kamen erst danach. Deshalb wird sich die Corona-Krise erst in der April-Statistik der Bundesagentur für Arbeit voll niederschlagen.

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In Berlin wollen an diesem Dienstagnachmittag BA-Vorstandschef Detlef Scheele und Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) vor die Presse treten. Scheele hatte schon in der vergangenen Woche gesagt, er gehe in der Corona-Krise von einem neuen Rekord bei der Kurzarbeit aus. Während der großen Finanzkrise 2008/2009 waren in der Spitze bis zu 1,44 Millionen Menschen bundesweit auf Kurzarbeit angewiesen. Er gehe davon aus, dass es diesmal deutlich mehr Menschen sein würden.

Massiver Anstieg der Arbeitslosigkeit erwartet

Mit Kurzarbeit will der Gesetzgeber verhindern, dass Arbeitnehmern sofort die Entlassung droht, wenn ihr Betrieb wirtschaftlich in Schwierigkeiten gerät. Hierbei wird die Arbeitszeit vorübergehend verkürzt. Die Arbeitnehmer erhalten von der BA bis zu 60 Prozent des entgangenen Nettolohns, wenn sie Kinder haben bis zu 67 Prozent.

Volkswirte gehen auch von einem massiven Anstieg der Arbeitslosigkeit durch den Stillstand aus. Sollte das öffentliche Leben im Mai wieder anlaufen, könnte es auf das Gesamtjahr gerechnet zur Reduzierung der Wirtschaftsleistung um etwa fünf Prozent kommen. Sollte die Krise länger dauern, würde der Einbruch noch größer ausfallen. Die Volkswirte rechnen mit einem Anstieg der Arbeitslosenquote um 0,5 Punkte auf etwa 5,6 Prozent im Jahresschnitt.

Notstands-Gesetz wird vorbereitet

Mit einem außergewöhnlichen Epidemie-Gesetz und einer stärkeren Vernetzung von Krankenhäusern bereitet sich NRW für den Fall vor, dass die Corona-Pandemie das Land mit großer Wucht trifft. Im „äußersten Notfall“ wäre es durch das von der Landesregierung geplante Gesetz möglich, Ärzte, Pfleger und Rettungskräfte im Kampf gegen die Epidemie zum Dienst zu verpflichten. Das Land könnte außerdem medizinisches Material und Geräte bei Firmen sicherstellen.

Fachleute und Oppositionspolitiker kritisierten, das geplante Gesetz der schwarz-gelben Landesregierung greife massiv in Grundrechte von Bürgern und Unternehmen ein. Die Koalitionsfraktionen von CDU und FDP haben die Opposition zu raschen Gesprächen über eine gemeinsame Lösung eingeladen. Die Zahl der nachgewiesenen Corona-Infektionen in Nordrhein-Westfalen stieg unterdessen nicht mehr so stark wie in den Tagen zuvor. Am Montag (16.00 Uhr) meldete das Gesundheitsministerium landesweit 14 442 Infizierte. Am Sonntag waren es gut 800 weniger. Die Zahl der Toten erhöhte sich in NRW um 20 auf 130 am Montag.

dpa/lnw

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