Krankenkasse bietet Behandlung, Rezept und Krankschreibung per Video-App an

Medizin

Die sogenannte Fernbehandlung per Videosprechstunde ist in Deutschland seit einigen Jahren erlaubt. Bisher fehlt der Durchbruch. Die größte deutsche Krankenkasse bietet nun eine eigene Lösung.

Berlin

09.06.2020, 08:07 Uhr / Lesedauer: 2 min
Als erste gesetzliche Krankenkasse bietet die Techniker Krankenkasse (TK) ihren mehr als zehn Millionen Versicherten eine ärztliche Fernbehandlung über eine spezielle Video-App.

Als erste gesetzliche Krankenkasse bietet die Techniker Krankenkasse (TK) ihren mehr als zehn Millionen Versicherten eine ärztliche Fernbehandlung über eine spezielle Video-App. © picture alliance/dpa

Als erste gesetzliche Krankenkasse bietet die Techniker Krankenkasse (TK) ihren mehr als zehn Millionen Versicherten eine ärztliche Fernbehandlung über eine spezielle Video-App. „Unsere zum Jahresbeginn gestarteten Pilotversuche haben sich bewährt und stehen von jetzt an allen Versicherten zur Verfügung“, sagte Kassenchef Jens Baas dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Gerade in Zeiten von Corona, aber auch darüber hinaus, wollen die Patienten einen unkomplizierten und komfortablen Zugang zum Arzt ohne Ansteckungsgefahr“, argumentierte der Chef der größten deutschen Krankenkasse.

Acht Krankheitsbilder werden behandelt

Bei der Online-Sprechstunde, die in der Pilotphase zuerst von den 14.000 TK-Mitarbeitern getestet worden war, stehen für die Patienten niedergelassene Ärzte verschiedener Fachrichtungen zur Verfügung. Behandelt werden acht Krankheitsbilder vom grippalen Infekt über Magen-Darm-Infekt und Migräne bis hin zu Rückenschmerzen und Corona-Symptomen. Die Versicherten können sich zunächst an eine Telefon-Hotline wenden, die rund um die Uhr besetzt ist. Dabei wird geprüft, ob eine sichere Diagnose und Behandlung aus der Distanz überhaupt möglich ist. Ist das der Fall, wird ein Termin für die Videosprechstunde vermittelt. Für diese Sprechstunde wird eine von der TK entwickelte App genutzt.

E-Rezept wird ausgestellt

Werden Arzneimittel verordnet, können die Versicherten zwischen einem klassischen Papierrezept und einem elektronischen Rezept wählen. Hierzu erhält der Versicherte einen QR-Code auf sein Smartphone, den er direkt an eine der teilnehmenden Apotheken weiterleiten kann. Durch einen Botendienst der Apotheken ist auch eine Lieferung nach Hause inklusive einer kontaktlosen Übergabe des Arzneimittels möglich. Bei Bedarf vermittelt die TK über eine Hotline eine Apotheke mit Botendienst, bei der auch digitale Rezepte eingelöst werden können.

Auch eine Krankschreibung ist bis zu einer Dauer von drei Tagen möglich. Auf Wunsch des Versicherten wird sie an die Kasse elektronisch übertragen. Die Durchschläge für den Versicherten und den Arbeitgeber müssen auf dem Postwege versendet werden, weil das Gesetz bisher keine andere Übermittlung zulässt.

Die Fernbehandlung auch ohne vorherigen persönlichen Kontakt zwischen Arzt und Patient ist seit zwei Jahren in Deutschland erlaubt. Sie führt aber bisher noch ein Nischendasein und wird oft nur bei privat zu bezahlenden Fällen genutzt, in denen die Hemmschwelle für einen direkten Arztbesuch hoch ist, etwa bei Potenzproblemen. Die Corona-Pandemie könnte aber zu einem Schub führen. Viele Ärzte haben in den vergangenen Monaten wegen der Ansteckungsgefahr Video-Sprechstunden eingeführt. Dabei kümmern sie sich aber bisher zumeist um Patienten, die sie lange kennen.

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