Krisenfeste Kunst

Westfälische Galeristen auf der Art Cologne

KÖLN. Die Kölner Kunstmesse liefert den Beweis: Die Wirtschaftskrise hat dem Kunstmarkt mehr genutzt als geschadet.

von Von Benjamin Blum

, 12.04.2011, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
<p>Wilfried Utermann zwischen einem Gemälde von Emil Schumacher und einer Skulptur von George Rickey. <p></p> Blum</p>

<p>Wilfried Utermann zwischen einem Gemälde von Emil Schumacher und einer Skulptur von George Rickey. <p></p> Blum</p>

Obwohl die 45. Auflage der Kölner Kunstmesse erst seit 52 Minuten läuft, hat Mike Karstens schon acht Bilder verkauft. Und der münstersche Galerist verhehlt nicht, dass die Wirtschaftskrise ihren Anteil am Absatz hat: "Kunstwerke werden immer häufiger als Wertanlage angeschafft." Sie seien sicherer als Aktiendepots und würden dabei mehr Freude bereiten.Türme der Weisheit Der Dortmunder Kunstsammler Wilfried Utermann sieht die hohen Auktionsresultate der letzten Zeit als Beleg für das steigende Interesse. Begriffe wie "Wertanlage" scheut er jedoch: "Hier gibt es ja keine Spekulanten, es sind immer noch Freunde der Kunst." Als die ersten Messebesucher den Stand seiner Galerie betreten, bleibt ihr Blick an der Bronze-Skulptur "Hayama - 7 Türme der Weisheit" von Abraham David Christian hängen. Mit ihrer Höhe von dreieinhalb Metern dominiert sie die Messe-Koje - und wirkt mit ihren gewaltigen Formen krisenfest. Kostenpunkt: 250 000 Euro.Aufstrebende Künstler Die Art Cologne versteht sich nicht nur als Plattform für etablierte, sondern auch für aufstrebende Galerien und Künstler. Die Messestände der Münsteraner spiegeln das wider. "Christoph Worringer habe ich 2004 quasi direkt von der Akademie geholt", sagt Galerist Heiner Hachmeister. Die Arbeiten des Rheinländers Worringer (Jahrgang 1976) zeigen erstarrte Figuren aus einer fantastischen, bunten Bildwelt. Seine Werke kosten zwischen 3500 und 38 000 Euro.Entwicklung zum Positiven Aus Sicht der westfälischen Galeristen und Kunstsammler entwickelt sich die Art Cologne, seitdem Daniel Hug vor drei Jahren die Leitung der Messe übernahm, zum Positiven. "Die Messe ist internationaler geworden. Sie zeigt, dass Nordrhein-Westfalen ein wichtiges Zentrum mit vielen Sammlern ist", betont Utermann. Die Liste der Aussteller belegt den Trend: Unter den rund 200 Ausstellern sind Galerien aus 22 Ländern.Japaner zeichnet Tsunami Mit sechs Messeständen ist Japan besonders stark auf der Art Cologne vertreten. Am Stand von Nazuka Underground aus Tokio findet sich prompt ein Werk, das die dramatischen Ereignisse der vergangenen Wochen zeigt: Auf einer schwarz-weißen Tintenzeichnung von Hiroki Tsukuda rollt der Tsunami auf die Insel Honshu zu, im Vordergrund sind die Türme des Atomkraftwerks Fukushima zu sehen.Kölnmesse, "Art Cologne", 13.4. - 17.4., Di-Sa 12-20 Uhr, So 12-18 Uhr, Tageskarte 20 .

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