Kritik an Polizei und Politik: Rezo knöpft sich die Corona-Leugner vor

Coronavirus

In einem neuen Video übt Youtuber Rezo Kritik an den Querdenker-Demonstrationen. Doch nicht nur Maskenverweigerer und rechtsextreme Demoteilnehmer werden thematisiert – auch der Umgang mit ihnen.

Aachen

von Matthias Schwarzer

, 23.11.2020, 17:56 Uhr / Lesedauer: 3 min
In einem neuen Video übt Youtuber Rezo deutliche Kritik an den Querdenker-Demonstrationen. (Archivbild)

In einem neuen Video übt Youtuber Rezo deutliche Kritik an den Querdenker-Demonstrationen. (Archivbild) © picture alliance/dpa

Steigen die Infektionszahlen, steigt auch die Anzahl der Querdenker-Demonstranten auf den deutschen Straßen: Erst in der vergangenen Woche hatten Tausende in Berlin gegen das Infektions­schutzgesetz demonstriert und zeitweise für einen handfesten Eklat im Bundestags­gebäude gesorgt. Am Wochenende war eine Demonstrantin in Hannover aufgefallen, als sie sich auf einer Bühne mit der Widerstands­kämpferin Sophie Scholl verglich.

Auch den Youtuber Rezo wundert die Mischung aus Corona-Leugnern, Verschwörungs­theoretikern und Nazis auf den Straßen. Er hat der Thematik nun ein ganzes Video gewidmet, das innerhalb von 24 Stunden bereits knapp 700.000-mal angeklickt und 35.000-mal kommentiert wurde. In dem Video werden nicht nur die Querdenker selbst, sondern auch der Umgang mit ihnen kritisiert.

Zunächst widmet sich der Youtuber bekannten Verschwörungs­ideologen, wie etwa dem rechtsextremen Vegankoch Attila Hildmann. Ihn nennt er mitunter „lappenhaft“ und „Verschwörungsdulli“. Auch die „übertriebene Opferinszenierung“ der selbst ernannten Querdenker spricht er an. „Die Denken halt, dass sie die großen Freiheitskämpfer sind“, so Rezo. Aber er macht auch klar: „Man kann solche Leute jetzt lustig finden und belächeln, weil die halt komplett lost sind. Aber: Bei solchen Veranstaltungen laufen auch relativ viele Rechtsextreme mit. Es gab immer wieder Gewalt gegenüber Journalist*innen und Einsatzkräften und massive Verstöße gegen gesundheitliche Maßnahmen.“

„Sonderbehandlung“ für Querdenker

In dem rund 18 minütigen Beitrag verweist der Youtuber etwa auf Aussagen von NRW-Innenminister Herbert Reul, wonach etwa ein Drittel der Demonstrations­teilnehmer rechtsextrem sei. Später zieht er einen Vergleich mit der Süßigkeitenmarke Skittles heran: Die würde man schließlich auch nicht kaufen, wenn jeder dritte Dragee nach „Kot schmecken würde“.

Doch nicht nur die Corona-Leugner selbst werden in dem Beitrag kritisiert. Geht es nach dem 28-Jährigen, dann haben Politik und Sicherheits­behörden die Rechtsverstöße der sogenannten Querdenker zu lange geduldet. Konkret nennt Rezo etwa den sächsische Innenminister Roland Wöller (CDU), der bei einer Pressekonferenz nach den Ausschreitungen bei einer Corona-Demo in Leipzig von einem „weitgehend friedlichen Verlauf des Demonstrations­geschehens“ sprach.

Im Video spricht Rezo mehrfach von einer „Sonderbehandlung“, die die Corona-Demonstranten erfahren würden. Obwohl sich Teilnehmer auf Demonstrationen häufig nicht an polizeiliche Ansagen hielten, hätten die Einsatzkräfte sie gewähren lassen. Als Beispiel nennt der Videomacher eine Aussage des Leipziger Polizeipräsidenten Torsten Schultze. Dieser hatte trotz Ausschreitungen nach einer Kundgebung betont: „Gewalt einzusetzen war an dieser Stelle für uns nicht angezeigt.“ Eine Pandemie bekämpfe man „nicht mit polizeilichen Mitteln, sondern nur mit der Vernunft“.

„Querdenker-Demos sind Superspreader-Events“

Rezo überzeugt das nicht: „Was ist das für’n Spruch von einem Polizei­präsidenten?“, fragt der Youtuber – und macht dann deutlich, dass die Polizei bei anderen Anlässen deutlich radikaler vorgehe. Als Beispiel nennt der 28-Jährige etwa die Proteste im Hambacher Forst, wo sich die Polizei nicht einfach irgendwann zurückgezogen habe. „Das ist einfach Verschwörungsdulli-Bonus“, analysiert Rezo. Auch dass die Frankfurter Polizei Wasserwerfer gegen Gegen­demonstranten, aber nicht die Querdenker eingesetzt habe, kritisiert er.

Bei der letzten Demo in Berlin habe die Polizei etwas entschlossener reagiert, findet Rezo. Immerhin habe man Wasserwerfer „als Regen“ eingesetzt. Er nennt das „Baby-Steps“. Man nähere sich an.

Rezos Fazit: „Das Hauptproblem ist ja nicht der (fehlende) Respekt (gegenüber der Polizei), sondern dass solche Superspreader-Events Haupttreiber der Pandemie sind. (…) Und mal abgesehen von den gesundheitlichen Folgen, die völlig Unbeteiligte deswegen ausbaden müssen, und auch davon abgesehen, dass es direkte Freiheits­beschränkungen mit sich bringt. (…) Wie sollst du denn von allen anderen erwarten, dass sie Abstriche in ihrem Leben machen, wenn so was ständig geduldet wird?“

Maskenverweigerer schränken Freiheit aller ein

Als Beispiele nennt der Youtuber etwa Kontakt­beschränkungen und die Schließung der Gastronomie. „Wenn Leute Tausende Euro Strafe zahlen sollen, weil sie im Park mit mehr als einem anderen Haushalt rumlaufen, wenn ganze Gastronomie­betriebe schließen müssen oder Künstlern ein Großteil ihres Einkommens flöten geht, wenn in unzähligen Jobs den ganzen Tag Maske getragen wird, wenn Personen im Gesundheitswesen ihr eigenes Wohlbefinden jeden Tag aufs Spiel setzen (…), wenn diese ganzen Abstriche gemacht werden und man lässt dann so was ständig einfach zu, dann kannst du das keinem mehr erklären.“

In so einer Situation würden bewusste Maskenverweigerer, die „zu Hunderten, Tausenden oder Zigtausenden einfach große Partys feiern, derbe gesundheitliche Risiken und unnötige weitere Einschränkungen für den Rest der Gesellschaft“ darstellen. Und wenn der Staat dann mit zweierlei Maß messe und „einer kleinen, rücksichtslosen Minderheit Sonderrechte vergibt“, dann fühle sich die Mehrheit irgendwann verarscht und habe „auch irgendwann keine Lust mehr, ihr eigenes Leben einzuschränken“.

Video über Schulschließungen

Das Video über die Corona-Leugner ist nicht Rezos erstes Video zur Pandemie. Im April hatte der Youtuber einen Rant mit dem Titel „Wie Politiker momentan auf Schüler scheißen“ veröffentlicht. Damals hatte er die Schulöffnung kritisiert und das gesundheitliche Risiko sowie die psychische Belastung für Schülerinnen und Schüler angesprochen.

Einer breiteren Öffentlichkeit war Rezo im vergangenen Jahr mit dem Video „Die Zerstörung der CDU“ bekannt geworden, im Mai dieses Jahres hatte sich der Videomacher in einem Video an den Medien abgearbeitet.

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