Kritiker wollen Warhol-Verkauf stoppen

26 Museumsdirektoren protestieren

26 Museumsdirektoren protestieren gegen die Versteigerung von zwei Andy-Warhol-Gemälden in New York. Das landeseigene Unternehmen "WestSpiel" will mit dem Verkauf richtig Kasse machen. Von bis 130 Millionen Dollar ist die Rede. Die Museumsleiter möchten dagegen den quasi öffentlichen Kunstbesitz schützen und für die Bürger erhalten. Auch der Kulturrat und die Kulturstiftung sind entsetzt.

DORTMUND

von Von Bettina Jäger und dpa

, 15.10.2014, 18:44 Uhr / Lesedauer: 2 min
Kritiker wollen Warhol-Verkauf stoppen

W wie Warhol - Die einen freuten sich, die anderen schäumten vor Wut: Zu den besten internationalen Auktionserlösen in diesem Jahr zählten zwei Siebdrucke von Andy Warhol aus Nordrhein-Westfalen. Jahrelang hatten sie die Aachener Spielbank geschmückt. Für 135 Millionen Dollar (rund 110 Millionen Euro) wurden »Triple Elvis« und »Four Marlons« aus dem Besitz des indirekt dem Land gehörenden Casino-Betreibers Westspiel in New York versteigert. Der NRW-Kulturbetrieb und sogar Bundeskulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) waren empört. Für sie ist der Verkauf landeseigener Kunst ein kulturpolitischer Sündenfall. Westspiel soll mit den Warhol-Millionen saniert werden und ein neues Casino bauen.

Update, 16. Oktober: Die geplante Versteigerung von zwei Werken des Künstlers Andy Warhol durch ein landeseigenes Unternehmen in NRW sorgt für große Kritik. Der Deutsche Kulturrat warnt vor einem Dammbruch und fordert die Bundesregierung zum Eingreifen auf. Die Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder, Isabel Pfeiffer-Poensgen, nannte den Verkauf leichtfertig und appellierte an das Land NRW, als Vorbild zu fungieren und die Werke Museen zur Verfügung zu stellen. Allerdings sind die Hoffnungen, die Auktion abzuwenden, gering. Wie berichtet will Spielcasinobetreiber Westspiel Mitte November bei Christie’s in New York die frühen Warhol-Werke „Triple Elvis“ und „Four Marlons“ versteigern lassen und erhofft sich 100 Millionen Euro."Kunstwerke sind keine Spekulationsobjekte" „Kulturstaatsministerin Monika Grütters sollte sich dringend dieses Falls annehmen und den Verantwortlichen in NRW auf die Finger klopfen“, sagte der Geschäftsführer des Kulturrats, Olaf Zimmermann. Wenn es Schule mache, dass öffentliche Unternehmen wertvolle Kunstwerke aus ihrem Bestand verkauften, wäre der nächste Schritt, die verschuldeten kommunalen Haushalte mit Kunstbeständen zu sanieren. Grütters betonte gestern: „Kunstwerke sind keine Spekulationsobjekte. Sie zu veräußern, um klamme Staatskassen zu sanieren, wäre unanständig und ein Systembruch.“ Die Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder, Isabel Pfeiffer-Poensgen, sagte, es sei „sehr bedauerlich“, dass das Land nicht überlegt habe, die Werke einem Museum zu übergeben, „der landeseigenen Kunstsammlung NRW in Düsseldorf, dem Museum Ludwig in Köln oder dem Museum Folkwang in Essen.“ Anfang der Woche hatten die Direktoren von 26 Kunstmuseen an die NRW-Regierung appelliert, das Vorhaben zu verhindern. dpa"Triple Elvis" und "Four Marlons" Es geht um den "Triple Elvis" von 1963 und die "Four Marlons" von 1966, die jahrzehntelang im Aachener Casino hingen. Angeschafft hatten die "Westdeutschen Spielbanken GmbH & Co. KG", so der eigentliche Name von WestSpiel, die Werke in der Glanzzeit des Hauses. Jetzt sollen die Werke nur noch im Auktionshaus Christie´s glänzen - und zwar in der Herbstauktion am 12. November.Brandbrief an Hannelore Kraft

"Es handelt sich um hochrangige Kunstwerke, die sich mittelbar in Landeseigentum befinden", heißt es in dem Brandbrief an NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Die Bilder seien keine Dekoration gewesen, sondern die Anschaffung habe in Zusammenhang mit der Pop-Art-Sammlung gestanden, die bis heute im Kölner Museum Ludwig zu sehen ist. "Die geplante Versteigerung steht in schroffem Gegensatz zu den internationalen Konventionen von Unesco und Icom (der Internationale Museumsrat, d. Red.), die den öffentlichen Kunstbesitz zu schützen suchen."

Das Finanzministerium des Landes wollte sich gestern nicht äußern. Pikant ist aber: Indem die Bilder in New York versteigert werden, lässt sich die deutsche Mehrwertsteuer umgehen. Der Erlös soll zur Deckelung von Defiziten der Westdeutschen Spielbanken, für den Neubau einer Spielbank in Köln oder zum Schuldendienst des Landes herangezogen werden. "Da verschwindet das Geld doch in einem schwarzen Loch", sagte Tayfun Belgin vom Osthaus-Museum in Hagen. Wenn die Versteigerung nicht aufzuhalten wäre, müsste das Geld in die Kultur oder in eine Stiftung fließen, forderte der Museumsdirektor.Kurt Wettengl ist entsetzt

Auch Kurt Wettengl  vom Museum Ostwall im Dortmunder U zeigte sich entsetzt: "Wir als Direktoren versuchen immer, Privatleute zu finden, die uns bei einem Ankauf unterstützen oder uns ein Werk schenken. Wenn das Land so etwas später wieder verkauft, wird uns niemand mehr etwas anvertrauen."

"Das nimmt uns unsere Identität", warnte außerdem Hans Günter Golinski, Chef des Kunstmuseums Bochum und Sprecher der RuhrKunstMuseen. Das Ruhrgebiet und das Rheinland hätten eine tolle Kunstlandschaft, in die die Warhol-Bilder perfekt hineinpassten. "Das ist ein Alleinstellungsmerkmal. Damit wird viel zu wenig gearbeitet.  

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