Kunst im Bochumer Stadtpark verkörpert die Region

Kunst im Grünen

Bronze, Stahl und ein Frosch namens Fridolin, der sein Dasein auf der Brücke in einer dunklen Ecke fristet: Wollte man die Kunst im Bochumer Stadtpark charakterisieren, sollten diese Begriffe fallen. Kunst gibt es jedenfalls genug in Bochums grünem Innenstadtparadies. Grund für einen Rundgang samt Audiokommentar von Hans Günter Golinski, dem Direktor des Bochumer Kunstmuseums.

BOCHUM

, 12.07.2015, 13:34 Uhr / Lesedauer: 2 min
Johannes Brus' "5 Bildhauer" blicken seit 2014 in die Ferne. Sie sind das Neueste, was im und rund um den Bochumer Stadtpark an Kunst zu sehen ist.

Johannes Brus' "5 Bildhauer" blicken seit 2014 in die Ferne. Sie sind das Neueste, was im und rund um den Bochumer Stadtpark an Kunst zu sehen ist.

Es ist dieser erste flüchtige und naive Blick, der den Spaziergänger im Bochumer Stadtpark zunächst fragend hinterlässt, sobald er die dortige Kunst erblickt.

Da ist etwa Aleš Veselýs Stahlcollage am südlichsten Zipfel des Parks. Stahl und Edelstahl gehen eine Symbiose ein. Wie ein böses Ungetüm, ein bisschen bedrohlich wirkt das imposante Gebilde. Durch seine Größe hat es etwas Animalisches. Und aus Stahl? Davon hat und hatte man in Bochum doch lange Zeit genug. Warum dann auch noch Kunst aus Stahl?

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Kunst im Grünen: Stadtpark Bochum

Bronze, Stahl und ein Frosch namens Fridolin, der sein Dasein auf der Brücke in einer dunkelen Ecke fristet: Wollte man die Kunst im Bochumer Stadtpark charakterisieren, sollten diese Begriffe fallen. Kunst gibt es jedenfalls genug in Bochums grünem Innenstadtparadies. Man muss nur die Augen aufmachen.
12.07.2015
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Das Museum Folkwang will ein Museum für alle sein. Hemmschwellen wie Eintrittsgeld wurden abgeschafft.© Foto: Sandra Heick
Mit einem viergeschossiger Backstein-Anbau wird das Museum Küppersmühle erweitert.© Foto; Herzog & De Meuron
Der Aston Martin (r) in einer Verfolgungsjagd im neuen James-Bond-.Film "Spectre".© Foto: Sony Pictures
Christoph Waltz spielt den Bösewicht Oberhauser in "Spectre", dem neuen James-Bond-Thriller.© Foto: Sony Pictures
Daniel Craig als James Bond in einer Szene des neuen 007-Agententhrillers "Spectre".© Foto: Sony Pictures
Carey Mulligan reitet als Landherrin Batsheba über die Leinwand. © Foto: Twentieth Century Fox
Benedikt Stampa ist seit zehn Jahren Intendant vom Konzerthaus Dortmund. © Foto: Peyman Azhari
Leicht und schwer zugleich wirkt Giuseppe Spagnulos "Grande Ruota" (dt. großes Rad) aus dem Jahr 2000.© Foto: Daniele Giustolisi
Aleš Veselýs Stahlcollage am südlichsten Zipfel des Parks wirkt animalisch.© Foto: Daniele Giustolisi
Im Rahmen des 1. Bochumer Bildhauersymposiums entstand die dreiteilige Stahlcollage mit dem Namen "Iron Report".© Foto: Daniele Giustolisi
Die Stahlcollage wurde aus Materialien aus umliegenden Industriebetrieben gefertigt.© Foto: Daniele Giustolisi
Die "5 Bildhauer" von Johannes Brus empfangen den Stadtparkbesucher im Schatten des Bochumer Kunstmuseums. © Foto: Daniele Giustolisi
Johannes Brus' "5 Bildhauer" blicken seit 2014 in die Ferne. Sie sind das Neueste, was im und rund um den Bochumer Stadtpark an Kunst zu sehen ist. © Foto: Daniele Giustolisi
"Gebrochen, geschliffen, poliert, platziert" lautet das Motto von Ulrich Rückriems Granit-Monuments "Granit Bleu de Vire".© Foto: Daniele Giustolisi
Die "Sculpture du sol" von Jiri Hilmar erinnert eine Pfütze aus Bronze.© Daniele Giustolisi
"La Bataiile", die Schlacht - so heißt dieses Relief von Jacques Delahaye, das er Anfang der 1960 unvollendet zurückließ.© Foto: Daniele Giustolisi
Wolf Vostells "Olympia Hymne" ist eine in Beton gegossene Verkaufstheke. Die Kasse ist noch gut zu erkennen.© Foto: Daniele Giustolisi
Beinahe 300 Zeichnungen und eine fast viermonatige Realisierungsphase gingen der Fertigstellung der Stahlcollage von Ales Vesely voraus.© Foto: Daniele Giustolisi
Die Collagen Veselys versinnbildlichen Bochum und seine industrielle Vergangenheit.© Foto: Daniele Giustolisi
Auch der Bochumer Bismarckturm kann als Kunst bezeichnet werden.© Foto: Daniele Giustolisi
Der Jungmädchenbrunnen liegt im nördlichen Teil des Bochumer Stadtparks und wurde von dem Architekten Eugen Schmol entworfen. Die Bronzefigur stammt vom Bildhauer Wilhelm Gerstel.© Foto: Daniele Giustolisi
Der Jungmädchenbrunnen liegt im nördlichen Teil des Bochumer Stadtparks und wurde von dem Architekten Eugen Schmol entworfen. Die Bronzefigur stammt vom Bildhauer Wilhelm Gerstel.© Daniele Giustolisi
Ein bisschen versteckt, auf einer Brücke am großen See, wartet dieser Frosch mit dem Namen "Fridolin" darauf, von den Besuchern des Bochumer Stadtparks entdeckt und angefasst zu werden.© Foto: Daniele Giustolisi
Ein bisschen versteckt, auf einer Brücke am großen See, wartet dieser Frosch mit dem Namen "Fridolin" darauf, von den Besuchern des Bochumer Stadtparks entdeckt und angefasst zu werden.© Foto: Daniele Giustolisi
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„Weil es Kunst ist, die die Region versinnbildlicht“, sagt Hans Günter Golinski, Direktor des benachbarten Kunstmuseums. „Die Collage ist wie eine Kultstätte angelegt“. Und sie ist ein echtes Bochumer Erzeugnis aus umliegenden Industriebetrieben.

 

 

Fast in Sichtweite liegt Giuseppe Spagnulos „Grande Ruota“, das große Rad. Noch so ein Ungetüm. Und schon wieder Stahl. „Das Werk lässt die Wucht dieses Materials spüren“, sagt Golinski. „Zugleich ist die Arbeit aber von einer Leichtigkeit geprägt.“ Das Rad, eher eine Scheibe, ist in der Mitte durchbrochen. Sie wirkt dadurch schwer und leicht zugleich. „Kopf, Auge, Wissen und Erfahrung gehen hier gegeneinander“, meint Golinski, „sie lassen eine ganz andere sinnliche Erfahrung zurück.“

 

 

Fast greifbar liegt das Bochumer Kunstmuseum, gegenüber des Stadtparks. Kunst und Park fließen hier ineinander. Hier ist die größte Kunstdichte des (erweiterten) Stadtparks vorzufinden. Neustes Objekt sind die „5 Bildhauer“ aus Bronze von Johannes Brus, die seit 2014 vor dem Museum auf einer Wiese hocken und denkend in die Ferne blicken. „Ihre Erscheinung ist wuchtig“, sagt Golinski, der die Kunst rund ums Museum als fließenden Übergang in den Stadtpark sieht.

 

 

Dann bleibt der Museumsdirektor stehen, spricht über die „Sculpture du sol“ von Jiri Hilmar. Nur sehen tut man sie erst nicht. Sie verläuft in einer dünnen Bronzeschiene durch den Boden und mündet in einer blauen Bronzepfütze.

 

 

Unsichtbar, weil ums Eck und unbeschriftet, vegetiert Wolf Vostells „Olympia Hymne“ vor sich hin. Eigentlich wirkt die Skulptur wie ein riesiger Betonsarkophag, ist bei genauerem Betrachten aber eine betonierte Einkaufstheke, so wie man sie in den 60er- und 70er-Jahren fand. Sogar die Kasse ist zu erkennen.

 

Während der Südflügel des Bochumer Stadtparks in Museumsnähe eine hohe Kunstdichte aufweist, muss man im Nordteil schon die Augen aufmachen, um sie zu sehen. Mit hoher Kunst hat Frosch Fridolin allerdings nicht viel zu tun. Jedenfalls bezeichnet Kunstfachmann Hans Günter Golinski die kleine Bronzestatue genau so wie die Statue am Jungmädchenbunnen als „ordentliche Gartenkunst".

Und wenn schon –  auch diese Objekte verleihen dem Bochumer Stadtpark ihren ganz eigenen Charme.