Kunst trotzt dem Niedergang einer Straße

Fotoprojekt in Gelsenkirchen

GELSENKIRCHEN. Die Bochumer Straße in Gelsenkirchen hat ähnliche Probleme wie viele Durchgangsstraßen im Revier: leer stehende Ladenlokale, verkommene Wohnhäuser, schmutzige Hinterhöfe. Nur, dass hier noch alles viel schlimmer ist. Trotzdem versuchen Künstler, mit dem Foto-Projekt "Ach du lieber Nachbar" gegenzusteuern.

12.02.2016, 17:21 Uhr / Lesedauer: 1 min

Die Fassaden erzählen noch von alter Pracht. "Vor 100 Jahren gab es sogar einen Klavierladen", sagt Peter Liedtke, Leiter des Projektes "bild.sprachen" und selbst ein bekannter Fotograf. Durch die Schließung der Zechen verarmte das Quartier, war vor 20 Jahren immerhin noch ein charmanter Multi-Kulti-Kiez mit einem spanischen Kult-Lokal. Doch die Gaststätte verschwand, dafür ist der Niedergang da. Bisheriger Höhepunkt war eine riesige Polizei-Razzia Anfang Februar. "Häuser kann man hier für vierstellige Summen kaufen", seufzt Liedtke. Einige Ladeninhaber versuchen gegensteuern. Die Stadt hat das Projekt "Revitalisierung" gestartet, Ruinen weggerissen und plant neben der eigentlich wunderschönen, expressionistischen Heilig-Kreuz-Kirche eine Kindertagesstätte.

Künstler geben nicht auf

Auch die Künstler im "Kreativ-Quartier Ückendorf" geben nicht auf. Sechs Fotografen hat Liedtke mit Hilfe von Fördermitteln des Landes NRW entsandt, um hinter die bröselnden Fassaden zu schauen: Jörg Meier traf unter dem Titel "we are family" sympathische Leute. Brigitte Kraemer schuf empathische Bilder von Flüchtlingen. Eva Czaya traf Frau Hirsch, die an einer Straßenecke einfach mal einen Garten angelegt hat. Verblüffend auch das Projekt von Christiane Hantzsch, die mit Workshop-Teilnehmern originelle Ruhris porträtiert hat, die schon immer in der Siedlung Flöz Dickebank leben. Alles Menschen, die dieses Umfeld nicht verdient haben.

Es ist durchaus ein Erlebnis, diesen Fotos abends, effektvoll beleuchtet, in den leer stehenden Ladenlokalen zu begegnen. Der Bummel entlang der Straße macht (etwas) Mut.

Nur bis 27.2.2016, der Rundgang ist von 18 bis 22 Uhr zu empfehlen, weil zwei Arbeiten projiziert werden und nur im Dunklen zu sehen sind.

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