"La Gioconda" im teuflischen System aus Gerüsten

Musiktheater im Revier

Elf Opern hat Amilcare Ponchielli (1834- 89), der Zeitgenosse Verdis und Puccinis, geschrieben. Aber nur eine davon - "La Gioconda" - hat es zu Weltruf gebracht.

von Heinz-Albert Heindrichs

, 18.04.2016, 14:20 Uhr / Lesedauer: 1 min

Doch auch sie wird selten aufgeführt, in Gelsenkirchen zuletzt 1986 in konzertanter Form. Nun aber hat es das dortige Musiktheater im Revier gewagt, das komplizierte und hochdramatische Liebeskarussel szenisch zu gestalten.

Drehendes Ungetüm

Dem Regieteam Alexandra Szemerédi und Magdolina Parditka gelingt es, Intrige, Verleumdung, Rache und inquisitorisches Morden auch bildlich zu veranschaulichen. Ihr Bühnenbild ist ein sich drehendes Ungetüm von Gerüsten, in dem sich die vielen Akteure wie Gefangene eines teuflischen Systems bewegen.

Das ist eindrucksvoll, aber der Zuschauer muss sich anstrengen, das Außerordentliche der Musik nicht aus den Ohren zu verlieren. Phänomenal sind vor allem die gesanglichen Hochleistungen der Frauen: Petra Schmidt (Sopran), die unglücklich liebende Sängerin ‚La Gioconda' sowie Almuth Herbst (Alt) als ihre blinde, hilflose Mutter.

Berühmte Stimmen

Bewundernswert die Präsenz der zwei berühmten Gäste: Nadine Wissmann (Mezzo) singt Laura, die Frau des Inquisitors, die fatalerweise wie eben auch Gioconda den flüchtigen Fürsten Enzo liebt. Den gibt strahlend und lupenrein der amerikanische Tenor Derek Taylor. Die heimtückischen Fäden im venezianischen Kleinstaat spinnt die Inquisition: ihr unbarmherziger Chef (der Bass Dong-Won-Seo) und, sehr eindrucksvoll, sein teuflischer Spitzel Barnaba (der Bariton Piotr Prochera).

Trotz aller szenischen Turbulenzen: Unüberhörbar bleibt im Ohr die Musik, und man ist überrascht und beglückt, mit welch freudiger Neugier die Philharmoniker diese Ausnahmepartitur spielen - das blüht, leidet, schwelgt, explodiert - und der Intensität, mit der GMD Rasmus Baumann diese besondere Klangwelt zu interpretieren versteht, hört man das unverschämte Glück an, dass er sie liebt.

Termine 24./28.4.2016; 13./ 16./ 22./ 27./ 29.5.2016; Karten unter Tel. (0209) 4097200.

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