Leben pur: "Boyhood" zeigt eine Jugend in 168 Filmminuten

Neu im Kino

Dass er ein Händchen für Langzeit-Projekte hat, demonstrierte Richard Linklater schon mit "Before Sunrise" und zwei Folgefilmen, die im Abstand von neun Jahren eine Beziehung ausleuchteten. Linklater ist ein Meister in Sachen Wahrhaftigkeit, einer, der die Reifung von Charakteren unverfälscht und glaubwürdig auf die Leinwand bringt. Sein neuer Film ist ein seltenes Kino-Juwel: Mit "Boyhood", über eine Spanne von zwölf Jahren gedreht, erzählt Linklater, wie aus Kindern Leute werden.

03.06.2014, 18:15 Uhr / Lesedauer: 1 min
Der Film "Boyhood" zeigt´eine Jugend in knapp drei Stunden.  Ein fabelhafter Film.

Der Film "Boyhood" zeigt´eine Jugend in knapp drei Stunden. Ein fabelhafter Film.

Er begleitet den sechsjährigen Mason (immer Ellar Coltrane) bis in die Teenagerzeit. Eine Jugend in 168 Filmminuten.

Alltag, Familie, Älterwerden. Masons Mutter (Patricia Arquette) und sein Vater (Ethan Hawke) leben getrennt. Der Papa schaut ab und zu vorbei, zieht mit dem Sportwagen ein bisschen Show ab vor Mason und seiner Schwester (Lorelei Linklater).Tagedieb und Rock'n'Roller "Papa, hast Du einen Job?" Nicht wirklich. Der Vater schlägt sich so durch. Er ist ein später "Slacker" (Linklaters Film von 1991), ein Tagedieb und Rock'n'Roller, der den Kindern die Beatles erklärt. Die musikalische Sozialisation der Kids ist ihm Chefsache.

Politiker und Pophelden

Masons Mama ist zielstrebiger. Sie beginnt ein Studium, arbeitet danach als Psychologie-Dozentin. Mit den Kerlen hat sie wenig Glück. Masons erster Stiefvater entpuppt sich als Trinker, der zweite, ein Ex-Soldat, als bibelstrenger, konservativer Knochen.

Beide Ehen scheitern. Die Kinder entwickeln sich trotzdem. Erste Freundin, erste Party, erster Joint.

Ein fabelhaft guter Film Nie hat man das Gefühl, einer Drehbuch-Handlung beizuwohnen. Kein falscher Ton, keine Figur verzeichnet. Viele Momente im Miteinander dieser Familie, glückliche und traurige, kommen uns bekannt vor. Leben pur, samt seiner wechselnden Moden, Politiker und Pophelden. Ein fabelhaft guter Film.

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