Lebendige Tote wie du und ich

Im Kino

Pixars Animation „Coco“ besucht die spirituelle Welt der Mexikaner, ein farbenfroher, herzerwärmender Film – und eine Antwort auf Trumps Stänkereien gegen die Latinos.

Dortmund

, 08.12.2017, 17:03 Uhr / Lesedauer: 2 min
Miguels (r.)  Abstecher wird zum fidelen Abenteuer, sein Lotse durchs Totenreich heißt Hector. Foto Disney Pixar

Miguels (r.) Abstecher wird zum fidelen Abenteuer, sein Lotse durchs Totenreich heißt Hector. Foto Disney Pixar © Pixar

Mexikaner sind Familienmenschen. Sie vergöttern Kinder, sie leben zu drei, vier Generationen unter einem Dach. Ihre Volksmusik ist geprägt vom Mariachi-Sound, einmal im Jahr begehen sie den Tag der Toten. Nicht als stilles Gedenken im Schmerz, sondern als Familienfiesta auf dem Friedhof, wobei der Mexikaner davon ausgeht, dass die Ahnen selbstverständlich am bunten Treiben teilnehmen.

Film ist ein Juwel aus der Trickschmiede Pixar

All diese Eigenarten mexikanisch en Empfindens breitet der US-Animationsfilm „Coco“ aus, ein Juwel aus der Trickschmiede Pixar. „Coco“ (Regie: Lee Unkrich) wartet mit der von Pixar gewohnten optischen Brillanz auf, steigert sich in einen Rausch glühender Farben, den man psychedelisch nennen darf.

Die Geschichte um den Jungen Miguel, der Musiker werden will, greift ins Fantastische aus, wenn sie Miguel auf magische Weise in die festlich illuminierte Stadt der Toten versetzt, wo vitale Knochengestelle ihre Party feiern.

Die Verblichenen sind keine Schreckgestalten

Die Verblichenen sind keine Schreckgestalten, keine Grusel-Zombies, es sind Tote wie du und ich. Gütig, herzlich, hilfsbereit. Sie haben Augen im Schädel, Damen tragen Lippenstift, die Herren Bart: Pixars Charakterdesign funktioniert auch bei Skeletten ganz prächtig.

Vier Autoren haben ein Jenseits erdacht, das durch eine Brücke aus Blüten mit unserer Welt verbunden ist. Transitreisende werden kontrolliert, passieren darf, wer im Gedächtnis der lebenden Verwandten noch präsent ist.

Miguel trifft seine Altvorderen

Miguel trifft seine Altvorderen, die ihn beknien, er möge zurück in seine Welt gehen, doch der Junge hat eine Mission: Er will den Sänger und Musiker Ernesto treffen (gesprochen von Heino Ferch). Der ist ein gefeierter Superstar in der Stadt der Toten.

Miguels Abstecher wird zum fidelen Abenteuer, sein Lotse durchs Totenreich heißt Hector.. Ein tollpatschiger Kläffer ist auch dabei, er sorgt für Lacher in einem Film, der keine Juxparade ist, eher eine Kulturstudie im Gewand der Junior-Unterhaltung. „Coco“ eignet sich für Kinder ab sechs, Erwachsene schmelzen dahin, wenn Miguel zur Gitarre greift. Absolut rührend.

So bunt, warmherzig und fröhlich, wie der Film Mexiko zeigt, wirkt er wie eine Ohrfeige für Donald Trump und seine Schmäh gegen die Latinos. Sehenswert hintersinnig.

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