Leckere Lesehäppchen

Gert Immich

Eine Revierstadt wird zum Wallfahrtsort. Die Currywurst bekommt ihre ureigene Ode. Nur zwei der Geschichten und Gedichte, mit denen Gert Immich das Ruhrgebiet in ganz ungewohnter Weise darstellt: verfremdet, parodistisch, satirisch - aber immer liebevoll.

von Von Hermann Beckfeld

, 17.03.2011, 13:20 Uhr / Lesedauer: 1 min
Leckere Lesehäppchen

Mein Favorit ist das Lesehäppchen mit dem Titel "Die Ballade vom Südsee-Revier". Ein Schiffbrüchiger rettet sich auf eine wilde Insel mit wilden Wilden, deren Häuptling ihm mit dem Tod droht ... bis er bemerkt, dass sein Gefangener aus dem Ruhrgebiet stammt. Das kennt der Häuptling, denn "von Oberhausen kommt er weg". Und prompt stellt er seinem Gefangenen die Frage aller Fragen: "Du weißt, es gibt zwei Großvereine / des edlen Fußballs im Revier. / Für wen, sag, schlägt dein Herz alleine, / Borussia oder Nullvier?" Da ward's dem Fremden angst und bange, / die falsche Antwort wär' der Tod. / Doch zögern sieht man ihn nicht lange, / er steht zum Klub auch in der Not. / "Und wenn's mein Schicksal sollt entscheiden, / der BVB lebt mir im Herzen. / So viel schon musst ich darum leiden, / ich steh' zu ihm in Freud' und Schmerzen!" Und so richtet in der folgenden Strophe die Fußball-Vorliebe des Häuptlings über das Wohl und Wehe des armen Schiffbrüchigen.

 

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