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Amtsgericht kann 56-Jährigem den Missbrauch einer 15-Jährigen nicht beweisen

Missbrauchs-Vorwurf

Sexueller Missbrauch lautete am Montag der Vorwurf gegen einen 56-Jährigen aus Legden. Das Opfer – zur Tatzeit 15 Jahre alt – verstrickte sich in Widersprüche. Am Ende stand ein Freispruch.

Legden

, 14.01.2019 / Lesedauer: 3 min

Was war passiert? Die damals 15-Jährige ist vor knapp zwei Jahren zu Besuch bei dem 56-jährigen Mann in seiner Legdener Wohnung. Er wolle ihr etwas zeigen, hatte er ihr angekündigt. Er begann sie zu küssen, dagegen wehrte sie sich nicht. Erst als er ihr die Hose öffnen wollte, hielt sie ihn davon ab. Und verließ kurz darauf die Wohnung des Mannes. Schon als Kind sei sie bei ihm in der Wohnung gewesen.

Der Angeklagte sprach vor Gericht immer wieder davon, dass er der heute 17-Jährigen habe helfen wollen. „Ich wollte für sie da sein, weil sie zu Hause Probleme hatte.“ Auch habe er ihr zeigen wollen, dass sie keine sexuelle Beziehung miteinander führen könnten. Warum er das versuchte, in dem er sie versuchte zu küssen, konnte er nicht erklären. Eine Gutachterin attestierte ihm im Laufe des Prozesses, dass er zu einem Perspektivwechsel nicht in der Lage sei. Auch strebe er nach Anerkennung und neige zu falschen Interpretationen.

Opfer war auch psychisch auffällig

Aber auch das Opfer sei psychisch auffällig: Seitenweise hatte der Richter zunächst Protokolle verschiedener Chats vorgelesen. Einmal zwischen der Geschädigten und dem Angeklagten, aber auch zwischen der Geschädigten und einer Taxifahrerin, der sie sich immer wieder anvertraut hatte. Aus den Protokollen wurde vor allem eins deutlich: die enorme Sprunghaftigkeit der heute 17-Jährigen. Mal schrieb sie von einer innigen Beziehung zum Angeklagten und einem wunderschönen Erlebnis am betreffenden Tag. Kurze Zeit später eröffnete sie der Taxifahrerin, dass sie sich schmutzig und missbraucht fühle. Mal schrieb sie von inniger Liebe zu dem über 40 Jahre älteren Mann, mal von Ekel gegenüber seinen Annäherungsversuchen. „Das ‚Ich liebe ihn’ habe ich nicht ernst gemeint. Ich wollte Aufmerksamkeit“, schilderte die 17-Jährige mit leiser Stimme vor Gericht. Sie habe auch sich selbst damit bestrafen wollen. „Ich hatte zu der Zeit viele Probleme“, erklärte sie. So habe sie sich auch selbst verletzt. Erst als sie sich schließlich einer Lehrerin anvertraute, kam der Ball ins Rollen. Dennoch wollte sie noch vor Gericht den Angeklagten vor einer Strafe schützen.

Suizidabsichten im Chat diskutiert

In den Chats war auch immer wieder von Suizidabsichten die Rede. Die hatte sie auch online mit dem Angeklagten mehrfach diskutiert. Er selbst habe zur Tatzeit psychische Probleme und auch ein Alkoholproblem gehabt. Die Beziehung zu der Jugendlichen räumte er ein, er stritt jedoch vehement ab, etwas gegen ihren Willen getan zu haben. „Sie hat mir immer wieder bestätigt, dass ich nichts gegen ihren Willen gemacht habe“, sagte er vor Gericht. Auch nach der Anzeige wegen sexueller Belästigung habe sie immer wieder den Kontakt zu ihm gesucht. „Sie wollte diese Anklage gar nicht“, sagte er dem Richter.

Kein Schuldspruch aber ein eingehender Appell

Am Ende wusste auch der Richter nicht mehr weiter. Für eine Verurteilung waren ihm die Vorwürfe zu vage, die Aussagen des vermeintlichen Opfers zu sprunghaft.

Für eine Verurteilung sahen weder Staatsanwältin noch Richter genug Beweise. Der Richter beließ es bei einem sehr deutlichen Appell an den Angeklagten: „Machen Sie einen großen Bogen um Minderjährige – im echten Leben und im Cyberspace.“ Zwar glaube er der 17-Jährigen, doch strafrechtlich reichten die Vorwürfe nicht aus.

Der Angeklagte erklärte auch, dass er sich Hilfe suchen wolle. „Das war ein moralisches Fehlverhalten. Ich habe viel daraus gelernt“, sagte er.

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