Legenden des Klangs

Konzerte in Essen und Dortmund

Einen legendären Klang hat das New York Philharmonic. Und der 1842 gründete Klangkörper, dessen Chef früher Leonard Bernstein war, ist zurzeit das wohl beste Orchester der Welt. Am 8. Mai ist es in der Philharmonie Essen (20 Uhr) zu Gast und einen Tag später (18 Uhr) im Konzerthaus Dortmund.

DORTMUND / ESSEN

von Von Julia Gaß

, 01.05.2013, 22:15 Uhr / Lesedauer: 3 min
Alan Gilbert dirigiert das New York Philharmonic in der nächsten Woche in Essen und Dortmund.

Alan Gilbert dirigiert das New York Philharmonic in der nächsten Woche in Essen und Dortmund.

Julia Gaß sprach mit Alan Gilbert (43), der seit 2009 Chefdirigent des berühmten "Big Five"-Orchesters ist.

Es ist eine wundervolle Gelegenheit, dem Publikum zu zeigen, was jeder weiß: Dass dies ein wundervolles Orchester ist. Das Orchester hat sich geändert, ich habe lange in Europa, in Stockholm, dirigiert und meine Beziehung zum Orchester hat sich auch verändert in den vier Jahren. Es ist eine Freundschaft entstanden, wir sind zusammen gewachsen, riskieren mehr und haben ein breiteres Repertoire. Wir bleiben flexibel, spielen Mozart, aber auch Bruckner, Tschaikowsky, Gershwin, Big Band Swing und Werke skandinavischer Komponisten.

Leonard Bernstein war von 1958 bis 1969 Musikdirektor des New York Philharmonic und hat seinen Klang geprägt. Wie klingt das Orchester bei Ihnen und wie viel Einfluss hat ein Dirigent auf den Klang eines solchen Spitzenorchesters? Ich liebe den besonderen New Yorker Klang. Als Dirigent kann man den sehr beeinflussen. Es ist wichtig, dass alles unterschiedlich klingt. Beethoven braucht bestimmte Farben, Mozart andere. Wenn Sie 15 Dirigenten hören, klingt es bei jedem anders. Warum, ist unser Geheimnis.Sie sind in dem Orchester groß geworden, Ihr Vater war dort Geiger, und Ihre Mutter Yoko Takebe spielt immer noch in den ersten Geigen mit. Ist Ihre Mutter bei dieser Tournee dabei und sprechen Sie mit ihr über Ihre Arbeit? Ja, sie ist dabei. Und manchmal bekomme ich von ihr Anregungen nach der Probe oder nach einem Konzert. Ich war als Kind schon jede Woche in den Konzerte, und ich habe das geliebt. Für mich ist dies das Orchester, das definiert, was Musik und ein Orchester ausmacht. Ich habe erst später begriffen, wie privilegiert es war, diesem Orchester so nah zu sein. Als ich das New York Philharmonic zum ersten Mal dirigiert habe, war mir schon bewusst, dass meine Mutter links von mir sitzt, aber nach ein paar Minuten hatte ich das vergessen und normal geprobt.Emanuel Ax ist in dieser Saison Residence-Künstler des New York Phiharmonic und Solist in diesem Konzert. Mit keinem anderen Orchester hat er so viele Konzerte gegeben wie mit Ihrem. Warum ist es für Sie eine so große Freude, mit ihm zu musizieren? Emanuel Ax ist ein ebenso bekannter wie beliebter Pianist in der New Yorker Konzertszene. Seine Technik ist beeindruckend, aber mich fasziniert noch mehr, wie unglaublich natürlich sein Musizieren ist. In seinen Darbietungen geht es wirklich ausschließlich um Musik. "Manny" ist einer der wenigen Musiker, die mit dem New York Philharmonic mehr als hundert Mal zusammen gespielt haben. Mit ihm Mozart zu spielen, ist eine Freude und ein echtes Privileg. Ich habe Emanuel Ax schon als Student oft und gerne gehört.Nach dem Mozart-Klavierkonzert spielen Sie in Essen Bruckners dritte Sinfonie und in Dortmund Tschaikowsky "Pathétique". Ein Kontrastprogramm? Es ist langweilig für ein Orchester, wenn es auf einer Tournee immer die selben Werke spielt. Deshalb sind wir mit drei Programme unterwegs. Das hält frisch. Ich reise gern. Und dem Orchester gibt eine Tournee mit Konzerten vor neuem Publikum einen besonderen Kick. Und es ist einfach schön, der Welt zu zeigen, was man kann. Ich bin sehr stolz darauf, was das New York Philharmonic kann. Das wollen wir zeigen.Oft klatschen die Zuhörer in der Pathétique nach dem Ende des dritten Satzes. Stört Sie das? Es stört nicht, das ist eine Frage der Konzentration. Wenn es Applaus aus Begeisterung ist, ist es gut. Wenn die Zuhörer das Werk nicht verstanden haben, nicht.Und wie unterscheiden sich europäische Orchester von amerikanischen? Was können europäische Orchester von Ihrem lernen? Es ist gefährlich zu sagen: So klingt ein amerikanisches und so ein europäisches. Auch die Top-Orchester in Europa klingen ja nicht alle gleich.

Restkarten für das Konzert am 8.5., 20 Uhr, in der Philharmonie Essen: Tel. (02 01) 812 22 00 und für das Konzert am 9.5., 18 Uhr, im Konzerthaus Dortmund: Tel. (0231) 22 69 62 00.

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