Leichte Kunst in schweren Mauern

ESSEN Kunst kann so leicht sein. Federleicht. So leicht wie die gigantischen weißen Luftballons, die überall im Salzlager der Essener Kokerei Zollverein herumfliegen - gehalten von Gummibändern oder sogar nur von einem sanften Luftstrom.

von Von Bettina Jäger

, 24.09.2007, 16:46 Uhr / Lesedauer: 1 min

Bühnenbild-Studenten zeigen ihr Können

Bühnenbild-Studenten zeigen ihr Können

Solche Vergleiche müssen zwölf Studenten der Bühnenbildklasse der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg nicht scheuen. Unter dem Motto "Teatrum Mundi" (Welttheater) haben sie bis zum 3. Oktober das Salzlager der Kokerei Zollverein in eine Rauminstallation zum Thema Mittelalter verwandelt. Ihre Inszenierung im Auftrag der RuhrTriennale ist vielleicht zwei Nummern kleiner als die der Vorgänger, aber nicht weniger poetisch.

Ballons erinnern an Planeten

Das Lutherwort "Der Dummkof möchte die gesamte Kunst der Astrologie verdrehen" gab dem Werk von Swen-Erik Scheuerling den Namen. Er habe etwas Leichtes gegen den massiven Bau setzen und das geozentrische Weltbild thematisieren wollen, erklärt er. Gelungen ist ihm ein zauberhafter Spielplatz, auf dem sich Ballons wie Planeten drehen und allein vom Wind großer silberner Propellern an ihrem Platz gehalten werden.

380 aufblasbare Weltkugeln

Näher dran am Bühnenbild ist Vera Knab, die 380 aufblasbare Weltkugeln in Regale verfrachtet hat - eine Bibliothek also, allein der Information gewidmet, dass die Erde rund ist. Das habe man im Mittelalter gewusst, betont Knab. Erst die Renaissance-Gelehrten bezichtigten das Mittelalter der Dummheit - und deshalb steht in Knabs Installation auch eine Druckpresse, mit der sich die Erde zur Scheibe pressen lässt.

Mit der Höhe des Salzlagers spielt Jil Bertermann: Ihr Werk Ower & Ower ( lässt Wasser über vier Etagen auf den Beton prasseln - ein fantastischer Anblick vor den Fenstern, die Susanne Fehenberger gelb und rot leuchten lässt.

"Teatrum mundi", Salzlager Kokerei Zollverein Essen, Arendahls Wiese, geöffnet am 26./28./29./30.9/2./3.10, jeweils 18 bis 23 Uhr.