Lina Beckmann und Manja Kuhl sind "Schauspielerinnen des Jahres"

Kritikerumfrage für Theater heute

OBERHAUSEN. Sensationeller Erfolg für die Theater in Nordrhein-Westfalen: Das Schauspiel Köln ist zum "Theater des Jahres" gekürt worden. Lina Beckmann aus Bochum, die in Köln engagiert ist, ist Schauspielerin des Jahres. Wirklich verblüffend aber ist der Sieg von Manja Kuhl: Die 29-Jährige hat für ihre Rolle als "Nora" am Theater Oberhausen den Titel der "besten Nachwuchsschauspielerin" geholt.

von Von Bettina Jäger

, 25.08.2011, 18:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

44 Experten hatten auf Einladung der Zeitschrift "Theater heute" auch in diesem Jahr ihre Meinungen zu den besten Bühnen, Stücken und Theatermachern in Deutschland, Österreich und der Schweiz abgegeben. Normalerweise dominieren Schauspielhäuser in Berlin und München die lange Liste. Aber schon im letzten Jahr war Köln zum "Theater des Jahres" aufgerückt. Diesmal siegte Intendantin Beier zusätzlich als Regisseurin, hatte mit Rita Thiele die beste Dramaturgin und mit Lina Beckmann (Foto) die beste Schauspielerin in ihren Reihen."Yyyeeeeaaaaaaahhhhhhh!!!"  "Yyyeeeeaaaaaaahhhhhhh!!!" freute sich Lina Beckmann, die aus einer richtigen Schauspieler-Familie stammt, gestern auf ihrer Internet-Seite. Die 30-jährige Bochumerin, die zur Zeit im "Jedermann" bei den Salzburger Festspielen auftritt, hatte ihren Beruf an der Essener Folkwang-Schule gelernt und war dann als Gast am Bochumer Schauspielhaus zu sehen.

Richtig punkten konnte auch das Theater Oberhausen - mit Manja Kuhl als "bester Nachwuchsschauspielerin" und Victoria Behr als "bester Bühnenbildnerin". Beide hatten in der bereits preisgekrönten Oberhausener Inszenierung von Ibsens "Nora" die Kritiker begeistert, Regie führte Herbert Fritsch.

Manja Kuhl erfuhr erst gestern Mittag von ihrer Wahl. "Ich habe eine Gratulations-SMS bekommen", erzählte sie. "Ich musste erst mal zurückfragen "Wofür?" Sie habe es kaum fassen können: "Die Nora ist ja meine erste Titelrolle." Natürlich hatte sie im Vorfeld Respekt vor dieser Herausforderung. "Aber ich habe hier tolle Kollegen, das trägt einen", lächelt sie. Ihr Ziel sei es, den psychologischen Extrakt einer Figur zu finden, ein Seelenbild auf die Bühne zu bringen. "Ich suche nach einer Art Übersetzung für seelische Zustände", sagt sie.

Der Oberhausener Intendant Peter Carp hatte Manja Kuhl, die auch bei dem großen Ruhr.2010-Projekt "Odyssee" eine bildschöne Penelope abgab, vor drei Jahren frisch von der Ernst-Busch-Schauspielschule in Berlin engagiert. Die gebürtige Hamburgerin zog nach Oberhausen um.Kuhl spielt die Mariane in "Tartuffe" Großes Glück sei es gewesen, dort gleich in der ersten Inszenierung mit Herbert Fritsch zusammenzuarbeiten. Da hatte sie die Mariane in Molières "Tartuffe" gespielt. "Das war wie eine Befreiung für mich nach der Ausbildung." Theater spielen bedeutet für sie "große Freiheit, Lust und Spaß."

In der kommenden Spielzeit wird sie als "Honey" in "Wer hat Angst vor Virgina Woolf?" zeigen, was sie kann. Doch wie lange wird eine so begabte junge Künstlerin an einem so kleinen Theater wie Oberhausen bleiben? Dieses Ensemble sei für sie eine "Art Familie", betont sie. "Mir geht es gut da, wo ich jetzt bin."

Das Theater Oberhausen zeigt die "Nora" wieder am 19. Oktober um 19.30 Uhr, Karten unter Tel. (0208) 8 57 81 84.  

Weitere Sieger in der Übersicht:

Theater des Jahres: Schauspiel Köln
Inszenierung: „Das Werk/Im Bus/Ein Sturz“ von Elfriede Jelinek, Schauspiel Köln
Dramaturgin: Rita Thiele, Schauspiel Köln
Schauspieler/in: Lina Beckmann, Schauspiel Köln und Jens Harzer, Thalia Theater Hamburg
Deutschsprachiges Stück: „Winterreise“ von Elfriede Jelinek und „Verrücktes Blut“ von Nurkan Erpulat und Jens Hillje
Ausländisches Stück: „Wastwater“ von Simon Stephens
Nachwuchsautor: Wolfram Lotz
Nachwuchsschauspieler/in: Manja Kuhl, Theater Oberhausen und Kristof van Boven, Kammerspiele München
Kostümbildnerin: Victoria Behr
Bühnenbild: Stéphane Laimé für „Tod eines Handlungsreisenden“