Literatur-Nobelpreis geht an Tomas Tranströmer

Schwedischer Lyriker

Der Nobelpreis für Literatur geht in diesem Jahr an Tomas Tranströmer. Das teilte die Schwedische Akademie am Donnerstag in Stockholm mit. Der 80-jährige Tranströmer ist bereits der achte schwedische Gewinner in der mehr als 100-jährigen Geschichte des wichtigsten Literaturpreises der Welt.

Stockholm

von dpa

, 06.10.2011, 14:18 Uhr / Lesedauer: 2 min
Tomas Tranströmer auf einem Foto aus dem Jahr 2001. Der Lyriker lebt seit einem Schlaganfall zurückgezogen in Stockholm.

Tomas Tranströmer auf einem Foto aus dem Jahr 2001. Der Lyriker lebt seit einem Schlaganfall zurückgezogen in Stockholm.

Die Preisträger seit 1999:
2010: Mario Vargas Llosa (Peru/Spanien)
2009: Herta Müller (Deutschland)
2008: J.M.G. Le Clézio (Frankreich)
2007: Doris Lessing (Großbritannien)
2006: Orhan Pamuk (Türkei)
2005: Harold Pinter (Großbritannien)
2004: Elfriede Jelinek (Österreich)
2003: John M. Coetzee (Südafrika)
2002: Imre Kertész (Ungarn)
2001: V.S. Naipaul (Trinidad und Tobago/Großbritannien)
2000: Gao Xingjian (China/Frankreich)

Im Gefolge der 68er-Bewegung wandten sich viele Leser von Tranströmer ab. Seine zuversichtliche, wenig konfrontative Poesie leiste keinen Beitrag zu den Tagesdiskussionen, lautete der Vorwurf der Kritiker. Tranströmer betonte in diesem Zusammenhang, dass sein Schaffen nicht auf Ideologien, sondern auf Visionen zurückzuführen sei.Tranströmer lebt seit seinem Schlaganfall mit seiner Frau Monica Bladh zurückgezogen in Stockholm. Obwohl der Lyriker an einem weitgehenden Verlust des Sprechvermögens (Aphasie) leidet, brachte er in enger Zusammenarbeit mit seiner Frau 1993 seine Memoiren „Die Erinnerungen sehen mich“ (Hanser Verlage/1999) und in den folgenden Jahren mehrere neue Gedichtbände heraus.

Der schwedische Verleger Peter Luthersson hält die Vergabe des Literaturnobelpreises an Tranströmer für „total überraschend“. Luthersson sagte am Donnerstag zur Entscheidung der Schwedischen Akademie: „Es galt hier in Stockholm als völlig klar, dass der Preis nie an einen heimischen Autor gehen würde. Das hat nichts damit zu tun, dass Tranströmer ein unglaublich guter Poet ist.“ Luthersson verwies auf die letzte Vergabe des Literaturnobelpreises 1974 an schwedische Preisträger: Die allgemein harte Kritik an der Entscheidung für Eyvind Johnson und Harry Martinson habe sich Letzterer so zu Herzen genommen, dass er sich 1976 umgebracht habe. Johnson starb zwei Jahre später.

Tranströmer ist seit 1901 der achte Schwede, dem der begehrteste Literaturpreis der Welt zuerkannt wurde. Er hat nach Angaben von Peter Englund, dem Chef der Nobeljury, seit 1993 ununterbrochen auf den Nominierungslisten für den Literaturnobelpreis gestanden. Tranströmer galt in diesem Jahr als einer der absoluten Topfavoriten. Er stand wenige Stunden vor der Entscheidung auch an erster Stelle bei den Einsatzlisten des britischen Wettbüros Ladbrokes. Der Nobelpreis für Literatur sorgt immer wieder für Überraschungen. Er gilt als die wichtigste literarische Auszeichnung der Welt und wird seit 1901 fast jährlich vergeben.

Stifter des bedeutenden Preises ist der schwedische Industrielle Alfred Nobel. In seinem Testament hatte er ihn nach Physik, Chemie und Medizin als vierte Preiskategorie bestimmt. Nach dem Willen des auch literarisch interessierten Unternehmers soll ihn derjenige erhalten, „der in der Literatur das Ausgezeichnetste in idealistischer Richtung hervorgebracht hat“. Das Werk soll von hohem literarischen Rang sein und dem Wohle der Menschheit dienen. Der von der Schwedischen Akademie vergebene Literaturpreis ist mit 10 Millionen Schwedischen Kronen (gut 1,1 Millionen Euro) dotiert. Er wird jeweils am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels, in Stockholm überreicht.

Die Preisträger seit 1999:
2010: Mario Vargas Llosa (Peru/Spanien)
2009: Herta Müller (Deutschland)
2008: J.M.G. Le Clézio (Frankreich)
2007: Doris Lessing (Großbritannien)
2006: Orhan Pamuk (Türkei)
2005: Harold Pinter (Großbritannien)
2004: Elfriede Jelinek (Österreich)
2003: John M. Coetzee (Südafrika)
2002: Imre Kertész (Ungarn)
2001: V.S. Naipaul (Trinidad und Tobago/Großbritannien)
2000: Gao Xingjian (China/Frankreich)

Lesen Sie jetzt