Literaturpreis Ruhr an Harald Hartung

Feinsinniger Beobachter

Vom Bergmannssohn aus Herne zum Lyriker, Professor für Deutsche Sprache und Literaturkritiker der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: Der Lebensweg von Harald Hartung beeindruckt. Jetzt erhält der bereits vielfach preisgekrönte, gerade 80 Jahre alt gewordene Dichter den Literaturpreis Ruhr 2012.

ESSEN

von Von Bettina Jäger

, 09.11.2012, 18:20 Uhr / Lesedauer: 1 min

Die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung gelte dem Gesamtwerk Hartungs, teilte der Regionalverband Ruhr gestern in Essen mit.Band "Langsamer Träumen"

"Sie trug ein Fähnchen aus Lavabel/ Sie schaukelten im Stadtpark mit dem Kahn/ und in dem Wäldchen an der Autobahn/ erforschte er die Gegend um den Nabel" - das sind nur vier der vielen Gedichtzeilen, die Hartung geschrieben hat, etwa in seinem Band "Langsamer träumen".

"Das Feine, Lakonische, Bescheidene ist ein Wesenszug seiner Poetik, begleitet von Melancholie und Witz", schrieb die FAZ gerade zum 80. Geburtstag des Literaten am 29. Oktober. "Klar, behutsam, eindringlich" sei auch seine Arbeit als Kritiker.Kindheit in Herne, Mülheim und Prag

Hartung verbrachte seine Kindheit in Herne, Mülheim und Prag, studierte ab 1954 in Münster. Gymnasiallehrer blieb er nur fünf Jahre, ging dann nach Berlin. Von 1971 bis 1998 hatte er dort eine Professur inne. Seit 1970 veröffentlicht er Gedichte.Krieg und deutsche Teilung als Themen 2005 erschien die Bestandsaufnahme seines lyrischen Werks "Aktennotiz meines Engels". Die Themen des Bandes drehen sich um Krieg und Nachkriegszeit, deutsche Teilung und Mauerfall, Reisen, Lesen und Alter.

Neu auf der literarischen Bühne ist dagegen Alexandra Trudslev (Foto): Die 38-jährige Dortmunderin arbeitet eigentlich als Journalistin sowie für eine Dortmunder Agentur und hat noch nie einen fiktiven Text geschrieben.Kurzgeschichte "Drück mich jetzt" Zum Thema "Ganz schön schräg - eine Liebe" hatte sie die Kurzgeschichte "Drück mich jetzt" erdacht. Die originelle Grundidee: Ein Fahrkartenautomat verliebt sich in eine Frau, nimmt über sein Display Kontakt auf. Trudslev war total überrascht, mit ihrem Erstling zu gewinnen. "Im Journalismus hat man viel mit Menschen zu tun. Das literarische Leben ist mir eigentlich zu einsam", lacht sie. Mehr Erfahrung hat das Autorenduo Nadine d'Arachart und Sarah Wedler aus Hattingen, die den zweiten der mit jeweils 2555 Euro dotierten Förderpreise erhalten.

Öffentliche Preisverleihung am Freitag, 16. November, um 20 Uhr in der Stadtbibliothek Duisburg, Düsseldorfer Str. 5-7. Eintritt frei.

 

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