Madame Bovary ist depressiv

Ruhrfestspiele

Das Leben ist kein Groschenroman: Madame Bovary, mit einem liebevollen Langweiler verheiratet, träumt von Leidenschaft, tröstet sich mit Büchern, Affären und Konsum; ruiniert greift sie ihren Tod inszenierend zu Arsen. An diesem Endpunkt startet Albert Ostermaiers Roman-Adaption von Gustave Flauberts Klassiker.

RECKLINGHAUSEN

von Von Britta Helmbold

, 31.05.2015, 12:45 Uhr / Lesedauer: 1 min
Madame Bovary ist depressiv

Sophie von Kessel als überspannte Madame Bovary

Als Gastspiel des Residenztheaters München war die Geschichte der überspannten Frau aus der Mitte des 19. Jahrhunderts bei den Ruhrfestspielen, die in diesem Jahr den Schwerpunkt Frankreich haben, im kleinen Saal des Festspielhauses in Recklinghausen zu sehen.

Im minimalistischen Bühnenbild (Henrik Ahr), ein kreisendes weißes Rechteck, unter dem die Weggefährten der Madame hervorkriechen und wieder verschwinden, gibt Sophie von Kessel die frustriert-fragile Bovary.

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Viel Entwicklungspotenzial hat sie allerdings nicht, da die Sehnsucht dieser von ihrem Alltag in der Provinz gelangweilten Frau in der Adaption und Mateja Kolezniks schlichten Inszenierung fehlt. Sophie von Kessel darf nicht viel mehr als eine klischeehaft angelegte Manisch-Depressive in dem von Ostermaier konzipierten Erinnerungsstrom geben.

Während sie stirbt, werden einige Momente ihres Lebens in Szenen verpackt. In diesen recht fragmentarischen Episoden sind die auftretenden Männer und die Schwiegermutter mehr Karikaturen als Charaktere. 

Da ist René Dumont als netter Trottel-Gatte und Muttersöhnchen, da ist Gabriele Dossi als resolute Schwiegermutter stets mit Mini-Bibel in der Hand, Thomas Gräßles pausenlos plappernder Apotheker, Thomas Lettows naiv-schüchterner Liebhaber, Bijan Zamanis berechnender Weiberheld, Alfred Kleinheinz' leicht sarkastischer Geistlicher und Wolfram Ruppertis zunächst devot agierender Kaufmann, mit dem die Bovary besser nicht ins Geschäft gekommen wäre.

Abstrakter Bilderreigen

Zu berühren vermag der abstrakte Bilderreigen, der Lebensmomente der Bovary im 90-minütigen Roman-Schnelldurchlauf abhakt, allerdings nicht. Auch wenn am Ende Madame, die aus ihrem Leben so gern einen Roman gemacht hätte, in ihrem Blut auf der Spielfläche liegt - beweint von ihrem Ehemann, ein zuckender Körper.