Männerhilfe-Telefon: Über ein Drittel der Anrufer kommen aus NRW

Gewalt an Männern

Mit der Männerhilfe-Hotline wurde eine Lücke im Hilfesystem geschlossen. Die erste Bilanz: Vor allem die Partnerinnen der Männer wurden übergriffig. Jetzt soll das Angebot ausgeweitet werden.

München

20.04.2021, 05:00 Uhr / Lesedauer: 1 min
Paul Schenk, Berater der Arbeiterwohlfahrt (AWO) sitzt in der Beratungsstelle via an seinem Arbeitsplatz hinter einem Klientenordner. Paul Schenk berät Männer die Gewalt erfahren haben.

Paul Schenk, Berater der Arbeiterwohlfahrt (AWO) sitzt in der Beratungsstelle via an seinem Arbeitsplatz hinter einem Klientenordner. Paul Schenk berät Männer die Gewalt erfahren haben. © picture alliance/dpa

Die bundesweite Hotline für gewaltbetroffene Männer samt Online-Beratung ist seit dem Start vor rund einem Jahr in mehr als 1800 Fällen um Hilfe gebeten worden. Bezogen auf die Öffnungszeiten entspreche das 6 bis 9 Anrufen pro Tag, bei steigender Tendenz, ergab eine Bilanz des von Bayern und Nordrhein-Westfalen betriebenen Angebots, die am Montag bei einem Online-Termin vorgestellt wurde.

35 Prozent der Anrufe kamen aus NRW, 18 Prozent aus Bayern, die anderen aus dem Rest Deutschlands. Nun gibt es Verstärkung: Baden-Württemberg ist seit dem 1. April mit dabei. „Das neue Unterstützungsangebot für von Gewalt betroffene Männer wurde sehr schnell angenommen - entgegen den Befürchtungen und Vorurteilen, dass Männer keine Hilfe suchen würden“, sagte NRW-Gleichstellungsministerin Ina Scharrenbach (CDU).

Lücke im Hilfesystem wurde durch Männerhilfe-Telefon geschlossen

Bayerns Sozialministerin Carolina Trautner (CSU) sprach von einer Lücke im Hilfesystem, die dieses Angebot geschlossen habe. Gut drei Viertel der Anrufer waren bis zu 50 Jahre alt. 85 Prozent der Betroffenen litten unter psychischer Gewalt, 53 Prozent unter körperlichen oder sexualisierten Übergriffen. 70 Prozent der Männer waren laut Trautner in einer akuten Gewaltsituation, 19 Prozent hatten als Kinder oder Jugendliche Gewalt erfahren. Übergriffig wurden laut Bilanz vor allem aktuelle oder ehemalige Partnerinnen.

Als Reaktion auf die steigende Nachfrage ist die Hotline schon ab 8.00 Uhr morgens erreichbar. Zudem soll eine Kampagne in den sozialen Medien starten, um Männer auf das Angebot aufmerksam zu machen. Betreut wird sie von Organisationen in Augsburg, Bielefeld und nun auch Stuttgart und Tübingen.

dpa

Das Männerhilfetelefon „Gewalt an Männern“ ist erreichbar unter der Telefonnummer 0800 123 9900.