Märchen-Nixe als Natascha Kampusch

Die "Rusalka" von Dvorak in der Inszenierung von Martin Ku?ej an der Staatsoper München ist eine der spannendsten Inszenierungen des Jahres: Weil Kusej das Märchen auf dem Hintergrund der Entführungsgeschichte von Natascha Kampusch und dem Inzestdrama von Amstetten erzählt. Und weil Kristine Opolais die Rusalka singt. Man muss kein Prophet sein, um der lettischen Sopranistin, Ehefrau von Andris Nelsons, eine kometenhafte Karriere vorauszusagen. Jetzt ist die Produktion auf einer Doppel-DVD (Foto) erschienen - in gestochen scharfer Bildqualität, mit exzellentem Dolby Surround -Ton und einer vorzüglichen Kameraführung.

von Von Julia Gaß

, 01.08.2011, 18:55 Uhr / Lesedauer: 1 min
Märchen-Nixe als Natascha Kampusch

In einem Wasserbecken hockt Kristine Opolais als Rusalka in München.

Kusejs "Rusalka" ist der Albtraum eines Missbrauchsopfers. Die Nixe haust mit ihrem Nymphenschwestern in einem Kellergefängnis; der Wassermann (furchterregend: Günther Groissböck) ist der Böse, der sich an den Mädchen vergreift. Janina Baechle singt die Hexe, eine Mitwisserin, was sich in dem Kellerverlies abspielt.

Schaurig schön Tenor Klaus Florian Vogt, der Bayreuther Lohengrin, singt den Prinzen märchenhaft schön. Tomás Hanus dirigiert das Bayerische Staatsorchester. Kristine Opolais sitzt über weite Strecken in der Inszenierung im Wasser - eine Herausforderung für eine Sängerin. Und die Lettin ist auch eine grandiose Schauspielerin, die mit höchster Intensität agiert.

Kusej schockiert und spielt mit einer märchenhaften Kulissen. Die Postkarten-See- und Berglandschaft, ist nur noch eine Fototapete, der Förster häutet ein weißes Reh, das der Prinz ursprünglich in Rusalka sah, falsche Bräute tanzen in einer Albtraumvision mit gehäuteten Rehen einen blutigen Totentanz. Rusalkas Lied an den Mond wird zum Lied an eine Lampe im Keller. Und die Oper endet für Rusalka in einer Heilanstalt.Sehenswert, auch auf DVD

All das wirkt schlüssig, surreal und märchenhaft-schaurig. - Eine der interessantesten und sehenswertesten Inszenierungen der Dvorak-Oper. Wem die Reise nach München zu weit ist, findet mit der DVD guten Ersatz.  

  • Unitel Classica, 2 DVD, 192 Minuten, ASIN: B0052IGM2A.
  • Kristine Opolais singt am 16.10., 16 Uhr, im Konzerthaus Dortmund Lieder von Ravel. Am Pult des WDR Sinfonieorchester steht ihr Mann Andris Nelsons. Karten: Tel. (0231) 22696200.
Lesen Sie jetzt