Märchenhafte Liebe in Saudi-Arabien

Im Kino

Die Sequenz am Anfang hat Schmiss. Tom Hanks verlässt ein Reihenhaus, wir hören "Once In A Lifetime" von den Talking Heads mit seiner Absage an das schöne Haus, die schöne Frau und das genormte Vorstadt-Leben. Hinter Hanks gehen Haus und Frau - puff! - in rosa Wolken auf.

26.04.2016, 17:19 Uhr / Lesedauer: 1 min
Passt sich Land und Leuten an: Tom Hanks (2.v.r.) als Alan Clay

Passt sich Land und Leuten an: Tom Hanks (2.v.r.) als Alan Clay

Alan Clay hat nichts mehr. Haus futsch, Ehe futsch, Karriere auf der Kippe. Unser Mann steckt in der Midlife-Crisis. Eine Krise markiert keinen schlechten Start für einen Film: Tom Hanks' Alan ist der Held in Tom Tykwers "Ein Hologramm für den König", nach Dave Eggers' Roman.

Deal mit dem König

Vielleicht gut, dass Alans Boss ihn gerade jetzt mit einer wichtigen Mission beauftragt. In Saudi Arabien soll Alan einen Deal mit dem König abschließen. Die Amerikaner wollen den Saudis eine holografische Telefonanlage verkaufen. Hightech-Spielzeug! Da sollten die Super-Reichen Feuer und Flamme sein.

Pustekuchen. In Dschidda bekommt Alan den König nicht mal zu Gesicht. Die Techniker hocken in einem Zelt an der Baustelle einer Trabantenstadt und drehen Däumchen. Kein Wlan, keine Klimaanlage, nur Floskeln und Schulterzucken. Der König interessiert sich nicht die Bohne für die in der Wüste "geparkten" Amerikaner.

Wohlfühl-Unterhaltung

Was tun? Warten bis zum Sankt Nimmerleinstag? Tom Hanks irrt durch leere Flure halbfertiger Häuser in einer gespenstischen Geisterstadt wie Jacques Tati durch die seelenlose Moderne von "Playtime" - Sinn und Zweck seiner Reise verflüchtigen sich. Leider auch der erzählerische Fokus des Films: Die Geschichte verhungert zwischen dürrer Humoreske und magerer Groteske.

Komik zu west-östlichen Kulturdifferenzen trifft auf die penetrante Verharmlosung des strengen Regimes der Saudis. Was der wackere Tom Hanks als traurig-komischer Gemütsmensch schauspielerisch zeigt, steht im Dienste einer Wohlfühl-Unterhaltung, die durch eine märchenhafte Liebesgeschichte nicht weniger banal wird.

 

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