Magischer Geburtstagsgruß an Richard Strauss

Nelsons und Hamelin

Zwei klangsensible Gestalter trafen am Mittwoch beim Sinfoniekonzert des Klavier-Festivals Ruhr am Tage des 150. Geburtstags von Richard Strauss in der Essener Philharmonie aufeinander und harmonierten prächtig: Pultstar Andris Nelsons und Pianist Marc-André Hamelin.

ESSEN

, 12.06.2014, 21:01 Uhr / Lesedauer: 1 min
Andris Nelsons dirigierte virtuos.

Andris Nelsons dirigierte virtuos.

Da verwunderte es auch nicht, dass der kanadische Klavierästhet nach der Pause im Parkett saß, um das WDR-Sinfonieorchester in dem reinen Strauss-Programm noch mit der "Sinfonia Domestica" zu genießen.Toller Klangzauber

Gleich in der großen Orchesterfantasie über die Oper "Die Frau ohne Schatten" entfalteten der tänzelnd und schwebend dirigierende Nelsons und das Kölner Orchester einen magischen Klangzauber. Während die Streicher mit unendlichen Melodien berückten, steuerten Trompete und Posaune zarte Soli bei. Strauss' zwanzigminütige Burleske für Klavier und Orchester gingen die Musiker spritzig und mit erfrischender Spiellust an. Und Marc-André Hamelin kehrte nicht den Virtuosen heraus, sondern spielte das technisch anspruchsvolle, brahmshafte Stück eher als einen Chopin mit Wiener Walzer-Charme. Als passende Zugabe gab's Hamelins eigene, humorvoll verfremdete Version des Chopin'schen "Minutenwalzers".

Die "Sinfonia Domestica" erklang auf den Tag genau eine Woche, nachdem die Essener Philharmoniker das Werk im Essener Alfried-Krupp-Saal gespielt hatten. Statt einer bloßen Wiederholung war nun allerdings ein viel differenzierteres musikalisches Porträt der Familie Strauss zu erleben: Zwar ging es auch beim WDR-Sinfonieorchester bisweilen laut und turbulent zu, insgesamt aber dominierte das elegante Familienidyll. Gespannt und detailreich musizierend, nahm Andris Nelsons dabei die Dynamik immer wieder auf ein zartestes Piano zurück.

 

 

 

 

 

 

Nachzuhören heute, 20.05 Uhr auf WDR 3.

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