Mal Spaniens sanfte Versuchung, mal ein harter Kerl

Der Dortmunder Carlos Lobo

Eine rassige Flamenco-Tänzerin auf einer Plaza. Goldener Likör schwappt in ein Glas. Eine leicht raue Stimme setzt ein: "Spanische Seele, sanfter Geschmack. Spaniens sanfte Versuchung!" Die Stimme gehört Carlos Lobo vom Dortmunder Schauspiel. Sogar Hollywood-Stars synchronisiert der 45-Jährige.

05.04.2016, 17:24 Uhr / Lesedauer: 2 min

Theaterfreunde kennen ihn aus Stücken wie "Disgraced - Geächtet", doch Lobo ist auch ein gefragter Sprecher bei Film, Werbung, Videospielen. Er hat Javier Bardem in "Vicky, Cristina, Barcelona" und im Bond-Film "Skyfall" die Stimme geliehen, sprach den Mexikaner in "The Hateful Eight" - mit mehr oder weniger Akzent, doch immer mit spanischer Seele.

Zweit-Karriere als Sprecher

Stünde der Likör-Spot nicht als Referenz auf seiner Homepage, hätte der vielbeschäftigte 45-Jährige ihn längst vergessen. Als "Spaniens sanfte Versuchung" verfolgt Lobo eine Zweit-Karriere im Sprecherfach, nach der viele Kollegen sich vermutlich die Finger lecken.

"Ich habe ein bisschen Produktions-Alzheimer", erzählt Carlos Lobo, "an viele Jobs erinnere ich mich kaum." Dann aber sortiert er sich und sprudelt er los mit Sprechrollen, für die man ihn engagierte. Bei Woody Allen synchronisierte er Javier Bardem (Foto), weil der im Film auch Spanisch spricht. Kein Problem für das Kind eines spanischen Gastarbeiters, das 1970 in Mannheim geboren wurde und zweisprachig aufwuchs.

Vom harten Kerl bis zum Pokémon

Wer ihn von der Bühne kennt, weiß, dass Lobo ähnlich wie Bardem eine animalische Männlichkeit verströmt, die auch gut zu den taffen Kerlen passt, die Lobo in Videogames spricht. Im Endzeit-Szenario von "The Last Of Us" ist er als Joel zu hören, er war vertreten bei "Assassin’s Creed", "Tomb Raider", "Battlefield", "Uncharted 2", um nur einige Konsolenhits zu nennen. Er hat an Animés mitgewirkt, in Spanien einen der Pokémons gesprochen.

"Müsste ich wählen, würde ich die Arbeit als Synchronsprecher zuerst hergeben", sagt Carlos Lobo. "Der Kick beim Theater sind die Proben, und dass man mit Kollegen und dann mit dem Publikum atmet. Das ist besser als jeder Job im Synchronstudio, einfach toll. Genauso ist es, wenn die Kamera läuft und es heißt: Und bitte! Es sind magische Momente, da kreisen die Neuronen, das will man immer wieder haben."

Ausflug nach Amerika

Ja - auf der Mattscheibe tummelt Lobo sich auch. Er spricht vom "Fernseh-Karussell", das er als Schauspieler betreten habe. Zu sehen war er unter anderem in "Ein Fall für Zwei", "Mord mit Aussicht", "Alarm für Cobra 11", "Heiter bis tödlich: Koslowski und Haferkamp". In der Schweiz stand Lobo für die Serie "Der Bestatter" vor der Kamera. "Die war hoch professionell, das hatte amerikanische Klasse."

Apropos Amerika. Auch dort hat der Tausendsassa Lobo schon gearbeitet. Er spielte 2011 am Broadway, im Schauspielkurs traf er die Nichte von Elia Kazan und den Hollywood-Star Sam Rockwell. "Eines habe ich in Amerika gelernt: Die Leute sagen, keep it simple, aber mach es! Wenn man weiß, was man will, kann man daran arbeiten. Man wird besser und irgendwann klappt es.

Große Klarheit

Seit Amerika verspüre ich eine große Klarheit und Sicherheit." Und so "macht" Carlos Lobo munter weiter, selbst als frisch gebackener Vater: Er hat ein Drehbuch aus eigener Feder in der Tasche, er spricht Javier Bardem im nächsten "Fluch der Karibik" - und man kann ihn am Dortmunder Theater erleben.

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