Messer-Attacke in Stolberg: Verbindung zur Kommunalwahl?

Extremismus

Bei einer Messer-Attacke wenige Stunden vor der Kommunalwahl in NRW wird ein 23-Jähriger in Stolberg schwer verletzt. Die Tat scheint mit der Wahl in Verbindung zu stehen.

Stolberg, NRW

14.09.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ein VW Golf wird abgeschleppt. In dem Fahrzeug saßen nach Zeugenaussage zwei Männer, die von einem MEK der Polizei festgenommen wurden, darunter auch der Mann der eine möglicherweise islamistisch motivierte Attacke gegen einen Autofahrer ausgeführt hatte.

Ein VW Golf wird abgeschleppt. In dem Fahrzeug saßen nach Zeugenaussage zwei Männer, die von einem MEK der Polizei festgenommen wurden, darunter auch der Mann der eine möglicherweise islamistisch motivierte Attacke gegen einen Autofahrer ausgeführt hatte. © picture alliance/dpa

Eine mutmaßlich islamistische Messer-Attacke in Stolberg steht nach Einschätzung von Ermittlern möglicherweise in Zusammenhang mit der Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen. Der Vater des schwer verletzten 23-Jährigen sei auf einem Werbemotiv der AfD zu sehen gewesen, sagte ein Sprecher der Düsseldorfer Generalstaatsanwaltschaft, deren Zentralstelle für Terrorismusverfolgung das Verfahren am Montag übernahm. Der mutmaßliche Täter habe „Allahu akbar“ („Gott ist groß“) gerufen. Der 21 Jahre alte Mann soll nun einem Haftrichter vorgeführt werden.

Der mutmaßliche Täter hatte in der Nacht zum Sonntag in der nordrhein-westfälischen Stadt Stolberg um 0.40 Uhr die Autotür des 23-Jährigen aufgerissen. Dann stach er mit einem Messer auf ihn ein. Das Opfer wurde nach Angaben der Polizei schwer am Arm verletzt und musste operiert werden. Der Generalstaatsanwaltschaft zufolge wird bislang noch wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt.

Der Vater des Opfers könnte Hintergrund für den Angriff gewesen sein, so der Sprecher der Behörde. Auf dem Motiv der AfD Stolberg waren bei Facebook vier Männer und der örtliche AfD-Vorsitzende Hans Wolf zu sehen. Dazu stand der Slogan „Auch Deutsch-Türken wollen Veränderung“. Den Ermittlern zufolge sagte der Vater aus, dass er keine Einwilligung für die Wahlwerbung gegeben habe. Der Vater ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft Türke. Sein Sohn hat die deutsche Staatsangehörigkeit. Der Beschuldigte sei Deutsch-Iraker.

Bild: Bereits vor der Tat Drohung gegen Männer auf dem Foto

AfD-Politiker Wolf bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass die Partei das Werbemotiv inzwischen bei Facebook gelöscht habe. Das Foto sei zufällig bei einem Rundgang im Stadtteil Mühle entstanden. Für die Veröffentlichung im Internet hätten die Beteiligten zugestimmt. Dass das Foto mutmaßlich zu einer Gewalttat geführt habe, erschüttere ihn.

Die Polizei Köln bestätigte, dass Beamte den AfD-Politiker noch am Sonntag aufsuchten, um ihn „präventiv zu beraten“. Wolf selbst sagte, die Polizei habe ihn gewarnt, im Dunkeln alleine vor die Tür zu gehen. Im Notfall solle er die 110 wählen.

Der „Bild“-Zeitung zufolge soll bereits vor der Tat eine Drohung gegen die Männer, die neben Wolf auf dem Foto zu sehen waren, im Internet kursiert haben. Den vier Männern sei dabei vorgeworfen worden, eine antiislamische Partei unterstützt zu haben.

21-Jähriger zum Gefährder hochgestuft

Die Ermittler hatten bereits am Sonntag von einem möglichen islamistischen Hintergrund gesprochen. Die Generalstaatsanwaltschaft bestätigte am Montag, dass der 21-Jährige bisher als sogenannter Prüffall beim Staatsschutz lief und er nach der Tat von der Polizei zum Gefährder hochgestuft wurde. Auch aus diesem Grund sei innerhalb der Behörde die Zentralstelle Terrorismusverfolgung zuständig.

Der 21-Jährige war am Sonntagabend in Stolberg zunächst geflohen und dann von einem Mobilen Einsatzkommando festgenommen worden. Ein Mann, der mit ihm im Auto saß, ist inzwischen wieder frei. Er werde nur als Zeuge geführt, so die Ermittler. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe hat die Entwicklungen ebenfalls im Blick. „Wir haben bisher die Ermittlungen nicht übernommen, stehen aber in engem Kontakt mit der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf“, sagte ein Sprecher der Behörde in Karlsruhe auf Anfrage.

dpa

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