Maurizio Pollini erhält Preis des Klavier-Festivals Ruhr

DUISBURG Es war einer jener Abende, denen Maurizio Pollini seinen legendären Ruf verdankt. Wenn er so viel riskiert, als ob er sich selbst das unfehlbare Spiel der Hände neu beweisen will, dann entstehen bei ihm die glücklichen Momente, wo sich das klare intellektuelle Konzept mit der Emotion des Augenblicks auf einer Ebene trifft.

von Von Klaus Lipinski

, 24.06.2008, 18:05 Uhr / Lesedauer: 2 min
Intendant Franz Xaver Ohnesorg (r.) übergab den Preis des Klavier-Festivals Ruhr an Maurizio Pollini.

Intendant Franz Xaver Ohnesorg (r.) übergab den Preis des Klavier-Festivals Ruhr an Maurizio Pollini.

Dass der diesjährige Preisträger des Klavier-Festivals Ruhr dafür in der Duisburger Mercatorhalle mit stehenden Ovationen gefeiert wurde, versteht sich von selbst. Das Klavier-Festival sieht ihn als Begründer des modernen Chopin-Spiels.

Eigentlich setzt er nur eine Richtung fort, zu der auch sein Lehrer Arturo Benedetti Michelangeli gehört. Manchmal meint man dabei seine Biografie zu hören: Der Vater Gino ein berühmter Architekt, der Onkel Fausto Melotti bekannter Bildhauer, Pollini selbst plante auch die Laufbahn als Physiker. Er vereint die Interessen, wenn er den großen Bauplan der Stücke aufdeckt, klare Linien formt und mit ihnen demonstriert, dass er die physikalischen Gesetzmäßigkeiten bis ins letzte verstanden hat.

Wie ein moderner Maler

Modernes Chopin-Spiel - damit meint man diese klaren Linien, die sich nur wenig Rubato gönnen, die nur selten die Zeit anhalten wollen, die damit aber auch nie das Gesamtgefüge aus Harmonik und anderen Stimmen aus der Balance bringen. Wenn Pollini bereits zu Beginn im Prelude op. 48 mit einer Figur der Begleitung die Melodie in eine Form zwingt, dann wirkt das, als ob ein moderner Maler aus kleinen abstrakten Linien ein größeres Bild erschafft.

Pollini ist kein Musiker, der mit poetischen Stücken wie der kleinen Mazurka in C die Herzen der Hörer erreicht, oder der oft die klanglichen Extreme sucht. Deswegen wirkt seine Kunst so ausbalanciert, manchmal auch ein bisschen poliert und in ihrer atemberaubenden Perfektion der Details kühl. Eben so lange, bis er emotional heiß läuft. So wie in Chopins Balladen Nr. 2 und 3, dem h-moll-Scherzo oder der Polonaise op. 53 und wie im gesamten ersten Band der Preludes von Debussy.

Chopin und Debussy spielt er im Wissen, dass sie einmal neue Musik waren. Daher verwundert es nicht, dass er als Preisträger des Festivals zusätzlich zum Stipendium für einen jungen Pianisten auch einen Kompositionsauftrag vergeben wird. Wenn er ihn dann im Jahr 2009 auch selbst spielen wird, wären alle glücklich.

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