Meister-Pianist Martin Stadtfeld spielt unsere Tageszeitung

Multimedia-Reportage

Tageszeitung statt Beethoven auf dem Notenständer. Wir haben Martin Stadtfeld, Starpianist aus dem Ruhrgebiet, fünf Artikel aus den Ruhr Nachrichten spielen lassen.Und das hat dem Pianisten aus Herne genauso viel Spaß gemacht wie uns.

DORTMUND

, 18.01.2016, 09:59 Uhr / Lesedauer: 3 min
Mit drei Videokameras und einem Stereomikrofon hat Kevin Kisker die Zeitungsinterpretationen von Martin Stadtfeld im Konzerthaus Dortmund aufgenommen.Schaper

Mit drei Videokameras und einem Stereomikrofon hat Kevin Kisker die Zeitungsinterpretationen von Martin Stadtfeld im Konzerthaus Dortmund aufgenommen.Schaper

"Das mache ich gerne", hat Martin Stadtfeld gesagt, als wir ihm am Mittwoch der vergangenen Woche nach seinem Klavierabend im Konzerthaus Dortmund die aktuelle Zeitung vom 13. Januar in die Garderobe gebracht haben.

Einen Tag später hat das Konzerthaus den Steinway-Flügel frisch gestimmt in den Orchesterprobenraum gebracht. Auf dem Notenpult stand die Tageszeitung.

Fünf Artikel aus der Zeitung

Fünf Artikel aus den Mantelressorts hat sich Martin Stadtfeld ausgesucht. - Keinen von der Kulturseite, und auch nichts vom Sport, "obwohl ich den BVB mag", sagt Stadtfeld.

Der Aufmacher "Terror in Istanbul" und die Glosse auf der Seite 1 "Förster im Weltall" haben ihn inspiriert, Sprache in Musik umzusetzen. Zu dem Text "Dampflok ging die Puste aus" auf der Regionalseite war ihm eine maschinenhafte Toccata von Prokofjew eingefallen.

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Martin Stadtfeld spielt die Ruhr Nachrichten

Meisterpianist Martin Stadtfeld hat fünf Artikel aus unserer Tageszeitung in Klaviermusik übersetzt.
18.01.2016
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Pianist Martin Stadtfeld hat sich fünf Artikel aus der Ausgabe vom 13. Januar ausgesucht. Die Zeitung haben wir ihm nach seinem Konzert am 13. Januar im Konzerthaus Dortmund gegeben. © Foto: Oliver Schaper
Video-Profi Kevin Kisker hat mit drei Videokameras und einem Stereo-Mikrofon die Interpretationen von Martin Stadtfeld aufgenommen.© Foto: Oliver Schaper
"Terror in Istanbul" war die Schlagzeile am Tag nach den Anschlägen.© Foto: Oliver Schaper
Martin Stadtfelds Hund Snoopy sitzt immer unter dem Flügel. Bei den Aufnahmen war er noch etwas schmutzig vom Spaziergang.© Foto: Oliver Schaper
Martin Stadtfeld hatte Spaß an der ungewöhnlichen Aktion.© Foto: Oliver Schaper
Levin Kisker hat auch die Zeitungsseiten abgefilmt.© Foto: Oliver Schaper
Das Konzerthaus Dortmund hat seinen Orchester-Probenraum für die Aufnahmen zur Verfügung gestellt und den Flügel dafür neu gestimmt.© Foto: Oliver Schaper
Auf dem neuen Steinway-Flügel des Konzerthauses hat Martin Stadtfeld im Januar 2011 als Erster gespielt.© Foto: Schaper
Martin Stadtfelds Hund Snoopy ist immer noch begeistert von Klaviermusik.© Foto: Schaper
Warm spielen, ausprobieren, improvisieren. Martin Stadtfelds Blick auf die Zeitungsartikel ist spannend.© Foto: Schaper
Auf seiner jüngsten CD hat Martin Stadtfeld sich dem jungen Mozart gewidmet.© Foto: Schaper
Akustisch ist der Orchesterprobenraum im Konzerthaus Dortmund ideal für Tonaufnahmen.© Foto: Schaper
Immer wieder neu konzentrieren auf ganz unterschiedliche Musik: Das macht Martin Stadtfeld fantastisch.© Foto: Schaper
Aus verschiedenen Kameraperspektiven sieht man den Pianisten in den Videos,© Foto: Oliver Schaper
Martin Stadtfeld war von 2006 bis 2009 "Junger Wilder" des Dortmunder Konzerthauses.© Foto: Schaper
Die Mikrophone nehmen sein Spiel in Stereo auf.© Foto: Schaper
Mit seinen 35 Jahren ist Martin Stadtfeld einer der besten Bach-Interpreten unter den Starpianisten.© Foto: Oliver Schaper
Ein sympathischer und unkomplizierter Star ist der Pianist.© Foto: Oliver Schaper
Die Bach-CDs von Martin Stadtfeld standen alle in den Klassik-Charts.© Foto: Oliver Schaper
Auf seiner nächsten CD will der Sony-Exklusivkünstler Martin Stadtfeld Etüden von Chopin aufnehmen.© Foto: Oliver Schaper
Allen Beteiligten haben dieser Video-Dreh viel Spaß gemacht,© Foto: Oliver Schaper
Am Vorabend hat Martin Stadtfeld einen Klavierabend in der Reihe "Meisterpianisten" im Konzerthaus Dortmund gegeben. In dem Saal hat er auch zwei seiner CDs aufgenommen.© Foto: Dieter Menne

Am "Stadlshow-Aus" hat ihm die Überschrift "Jung und hip alleine reicht nicht" besonders gefallen - obwohl der Pianist, der mit seinen Bach-Interpretationen eine Weltkarriere gestartet hat, erst 35 Jahre alt ist. Zur Jahreszeit passte dann der Text über "Mieter-Kummer: Schnee" auf der Wirtschaftsseite.

Der Kameramann baut Stereo-Mikrofone und Kameras auf, Martin Stadtfeld spielt sich warm, improvisiert, probiert. Unter dem Flügel sitzt sein Hund Snoopy, etwas schmutzig vom Spaziergang. Er sitzt auch zu Hause in Herne immer da.

 

1. Stück: Bach gibt Trost im Terror in Istanbul

Es kann losgehen. Der Terroranschlag in Istanbul bekommt ein Gefühl. Nachdenklich klingt das und nach Bach. Chromatische Abwärtsläufe erinnern an Trauer, im Bass hört man plötzlich laut und mächtig ein Bach-Motiv – so, als sollen die Töne Trost und Hoffnung geben.

Es ist eine eigene Improvisation von Martin Stadtfeld. "Bachs Musik hat die Kraft, um etwas zu verinnerlichen und zur Ruhe zu kommen", erklärt er.

Video mit Erklär-Interview: So klingt der Zeitungsartikel bei Martin Stadtfeld:

 

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2. Stück: Förster aus Kurpfalz im Weltall

Der nächste Text ist der "Förster im Weltall". "Diese Schlagzeile fand ich unwiderstehlich schön", sagt der Pianist und spielt den "Jäger aus Kurpfalz", in den sich plötzlich ein "Vom Himmel hoch" schleicht. Martin Stadtfeld ist auch ein guter Komponist und Bearbeiter von Musik. Das konnte man bei seinem Klavierabend im Konzerthaus hören und auch bei diesen Improvisationen.

Video mit Erklär-Interview: So klingt der Zeitungsartikel bei Martin Stadtfeld:

 

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3. Stück: Dampflok-Toccata von Prokofjew

Jetzt ist er warmgespielt für das Virtuose. Wie im Rausch zieht die Toccata von Prokofjew vorbei. „Diese maschinenhafte Musik steht für eine technikaffine Zeit. Man könnte die Schlagzeile ,Dampflok geht die Puste aus‘ fast als Allegorie auf die Technikverdrossenheit unserer Zeit sehen“, erklärt der Pianist im Video-Interview.

Das Video ist ein exklusives Dokument des Sony-Künstlers: "So ein Stück wie diese Toccata kann man nicht aufnehmen, dann beginnt man, an jedem Ton zu feilen. Das muss man einfach so raushauen." Und auch das klingt fantastisch bei diesem tollen Pianisten, der so viel nachdenkt über Musik.

Video mit Erklär-Interview: So klingt der Zeitungsartikel bei Martin Stadtfeld:

 

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4. Stück: Ein Walzer fürs Stadl-Show-Aus

Das Aus für die Stadl-Show ist Musik zum Entspannen - aber auch wieder sehr tiefgründig: In einen kleinen Walzer mischt sich ein Trauermarsch, Stadtfeld improvisiert wieder. Und das macht seine Interpretation der Zeitung spannender und kreativer als die von Lang Lang, der meist Werke von anderen Komponisten gespielt hat.

Video mit Erklär-Interview: So klingt der Zeitungsartikel bei Martin Stadtfeld:

 

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5. Stück: Schnee in Dur und Moll

Mit Improvisationen über "Leise rieselt der Schnee" verabschiedet sich der Pianist. Durch Dur und Moll führt er das Weihnachtslied, umrankt es mit glitzernden Chopin-Läufen. "Die Menschen freuen sich über den Schnee, und dann mögen sie ihn doch nicht, weil sie Schnee schippen müssen oder die Straßen glatt sind", sagt Stadtfeld.

Wir sind beeindruckt. So schön kann Zeitung klingen. - Wenn Journalisten beim Schreiben am Computer und ein Pianist danach am Klavier die richtigen Tasten drücken.

Video mit Erklär-Interview: So klingt der Zeitungsartikel bei Martin Stadtfeld:

 

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Zur Person: Meisterpianist Martin Stadtfeld

  • Martin Stadtfeld ist 1980 in Koblenz geboren; der Meisterpianist lebt jetzt in Herne und ist einer der führenden Interpreten der Musik Johann Sebastian Bachs und der deutschen Romantik.
  • 1997 gewann er den Rubinstein-Klavierwettbewerb in Paris, 2001 Preisträger beim „Busoni-Wettbewerb“ Bozen. 2002 gewann er den Internationalen Bach-Wettbewerb in Leipzig. 2015 bekam er in Dortmund den „Bajazzo“.
  • Vier Echo-Klassik-Preise bekam er 2004 (Goldberg-Variationen von Bach), 2005 (Bach Pur), 2007 (Klavierkonzerte von Bach) und 2008 (Schubert-Sonaten).
  • Auf seiner jüngsten CD hat er frühe Werke von Mozart aufgenommen.
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  • Von 2006 bis 2009 war Martin Stadtfeld „Junger Wilder“ des Dortmunder Konzerthauses.
  • Hier geht's zur Homepage von Martin Stadtfeld.

 

 

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