Messerangriff in Badehose: „Das war Selbstjustiz“

mlzLandgericht Essen

Der Tatort war das Sportparadies Gelsenkirchen, Täter und Opfer waren in Badehose. Nach einer lebensgefährlichen Messerattacke haben die Richter nun das Urteil gesprochen.

Essen

, 21.05.2020, 05:30 Uhr / Lesedauer: 1 min

Es passierte im rappelvollen Sportparadies: Im Juni 2019 hat ein 22-Jähriger im Gelsenkirchener Freibad mit einem Messer auf einen Bekannten eingestochen. Andere Badegäste hatten ihn sogar von seinem Opfer losreißen müssen. Am Mittwoch hat das Essener Schwurgericht das Urteil gesprochen: viereinhalb Jahre Haft wegen versuchten Totschlags.

Hintergrund war Rache. Der 22-Jährige war sieben Monate vor der Tat ebenfalls schwer verletzt worden. Ihm waren am Gelsenkirchener Hauptbahnhof mit einer abgebrochenen Flasche schwere Kopfverletzungen zugefügt worden. Seitdem hat er leichte Lähmungserscheinungen im Gesicht, kann eine seiner Augenbrauen nicht mehr richtig heben.

Für den ersten Angriff gab es bis heute keinen Prozess

Für diese Tat macht er unter anderem sein Freibad-Opfer verantwortlich. Weil es bis heute keinen Prozess gegeben hat, hat er die Sache nach eigenen Angaben selbst in die Hand genommen.

Richter Martin Hahnemann wählte dafür deutliche Worte. „Das war Selbstjustiz“, sagte er bei der Urteilsverkündung des Essener Schwurgerichts. „Das können wir nicht dulden.“ Die Richter werteten den Messerangriff als versuchten Totschlag.

Das 23-jährige Opfer hatte bei der Tat im Sportparadies eine lebensgefährliche Bauchverletzung erlitten. Obwohl das Freibad voll war, hatte der Angeklagte flüchten und in der Türkei untertauchen können. Die Festnahme war Monate später bei der versuchten Wiedereinreise in Holland erfolgt.

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