Mit grünem Pass ins Fitnessstudio: Diese Vorteile für Geimpfte gibt es in anderen Ländern

Coronavirus

Geimpfte sollen in Zukunft mit Genesenen gleichgestellt werden. Vorteile nur für Geimpfte sind nicht vorgesehen. Vor allem beim Reisen gelten aber für Geimpfte in einigen Staaten Erleichterungen.

Berlin

27.04.2021, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Der Nachweis einer Coronaimpfung kann die Einreise in einige Länder einfacher machen, weil dort für Geimpfte die Testpflicht entfällt.

Der Nachweis einer Coronaimpfung kann die Einreise in einige Länder einfacher machen, weil dort für Geimpfte die Testpflicht entfällt. © picture alliance/dpa

In Deutschland könnten Geimpfte und Genesene bald mit negativ Getesteten gleichgestellt werden. Dort, wo beim Zugang zu Geschäften ein negativer Antigentest verlangt wird, könnte die Testpflicht für Geimpfte und Genesene entfallen. Echte Privilegien, die nur für Geimpfte gelten sollen, sind aber nicht vorgesehen.

Sonderrechte nur für Geimpfte sind umstritten: Obwohl auch andere Länder das Thema bereits auf der Agenda hatten, wurden sie bisher nirgendwo eingeführt. Erleichterungen gibt es bis jetzt nur in einigen Staaten bei der Einreise. Auch hierbei werden Geimpfte aber mit negativ Getesteten oder Genesenen gleichgestellt.

Rumänien: Keine Quarantäne nach der Einreise

So wäre beispielsweise bei der Einreise nach Rumänien außer einem negativen Coronatest normalerweise eine Quarantäne erforderlich. Für Geimpfte oder Genesene entfällt diese Quarantäne. In Griechenland müssen Einreisende, die geimpft sind, kein negatives Testergebnis vorlegen. Bei der Einreise nach Italien, Spanien oder Frankreich sind bei Geimpften genau wie bei Ungeimpften aber weiterhin PCR-Tests erforderlich. Bei Reisen innerhalb der EU ziehen die ersten Länder allerdings ohnehin bereits eine generelle Aufhebung der Beschränkungen in Erwägung. So denkt Spanien offenbar darüber nach.

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Weitere Erleichterungen für Geimpfte, die den Alltag betreffen, gibt es in Israel. Dort wurde in diesem Jahr der „Green Pass“ eingeführt: Ein digitales Zertifikat, mit dem entweder eine Impfung, ein negatives Testergebnis oder eine in der Vergangenheit durchgemachte Infektion nachgewiesen werden muss. Der Zugang zu vielen kulturellen Veranstaltungen, Schwimmbädern oder Sportclubs ist in Israel bis heute nur mit dem „Green Pass“ möglich – obwohl dort inzwischen ein großer Teil der Risikogruppen geimpft ist und kaum noch jemand an Covid-19 stirbt.

Israel: nur mit „Green Pass“ ins Fitnessstudio

An einem „Green Pass“, einem digitalen Immunitätsausweis, wird auch auf europäischer Ebene gearbeitet. In den meisten Ländern soll er aber lediglich den Reiseverkehr erleichtern. Der österreichische Kanzler Sebastian Kurz hatte zwar angekündigt, er wolle den Pass nach dem israelischen Vorbild nutzen, auch Bulgarien und Griechenland ziehen das in Erwägung. Allerdings herrscht in der österreichischen Regierung noch keine Einigkeit über dieses Thema.

In Großbritannien, wo bereits die Gastronomie wieder für alle geöffnet ist, wird lediglich getestet, ob man den Zugang zu Messehallen, Sportstätten und Kulturbetrieben mit einem „Green Pass“-ähnlichen Nachweis regeln könnte.

In Frankreich hingegen war vor einigen Wochen ein Rentner dabei gescheitert, Sonderrechte für Geimpfte durchzusetzen. So dürfen sich die Franzosen während des Lockdowns nur aus bestimmten Gründen mehr als 30 Kilometer von ihrem Wohnort entfernen. Ein 83-Jähriger hatte gefordert, diese Beschränkung für ihn und andere Geimpfte aufzuheben. Die Behörden teilten daraufhin mit, das sei nicht möglich, da auch Geimpfte weiterhin zur Ausbreitung des Virus beitragen könnten.

Europarat warnt vor Diskriminierung Ungeimpfter

Kritiker von Sonderregelungen für Geimpfte befürchten eine Diskriminierung Ungeimpfter, wenn in einem nächsten Schritt womöglich keine negativen Testergebnisse und nur noch Impfungen akzeptiert würden. Ein Ausschluss Ungeimpfter vom öffentlichen Leben würde einer Resolution des Europarats vom 27. Januar widersprechen. Darin heißt es, es dürfe niemand diskriminiert werden, weil er sich nicht impfen lassen möchte.

Der Deutsche Ethikrat hat sich bereits im Februar in einer Stellungnahme gegen Vorteile für Geimpfte ausgesprochen: Solange sich nicht alle Personen impfen lassen könnten, würde ein Teil der Bevölkerung eine individuelle Rücknahme staatlicher Freiheitsbeschränkungen nur für bereits Geimpfte als ungerecht empfinden, heißt es zum einen in der Begründung.

Beschränkungen stattdessen für alle aufheben

Bei einer besseren Verfügbarkeit der Impfstoffe ändere sich zwar die Lage. Wenn alle Risikogruppen sich impfen lassen könnten und die Zahl der schweren Verläufe und Todesfälle durch das Impfprogramm erwartbar zurückgehe, seien die staatlichen Freiheitsbeschränkungen aber ohnehin nicht mehr zu rechtfertigen. Sie sollten daher schrittweise für die gesamte Bevölkerung und nicht schon vorher speziell für Geimpfte aufgehoben werden.

Zur aktuellen Debatte hatte sich die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Alena Buyx, gegenüber dem „Tagesspiegel“ geäußert. Eine Gleichstellung von Geimpften Getesteten und Genesenen hält sie demnach momentan für vertretbar.

RND

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