Mit Tom Hanks durch Raum und Zeit

Kino: Cloud Atlas

Eine Portion Größenwahn gehört schon dazu, einen Brocken wie "Cloud Atlas" auf die Leinwand zu wuchten. Drei Stunden Kino über buchstäblich alles: Leben, Liebe, Freiheit, Gut und Böse, Schicksal und Seelenwanderung.

von Von Kai-Uwe Brinkmann

, 12.11.2012, 17:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kein Wunder, dass der Roman von David Mitchell als unverfilmbar galt. Er ist ein epischer Weltentwurf, der in sechs Zeitaltern spielt, zwischen gestern (anno 1849) und übermorgen (im Jahr 2346). Lana und Andy Wachowski ("Matrix") und Tom Tykwer haben es dennoch gewagt, sich des monströsen Stoffes anzunehmen.

Sechs Filme in einem Mit zwei Teams verfilmten sie je drei Episoden, die sie zu einer Parallelerzählung montierten, die einen großen Bogen durch Raum und Zeit beschreibt. "Cloud Atlas" steht für sechs Filme in einem: Historisches trifft Thriller, Fantasy, Romanze, Komödie, Science Fiction.

Grausamkeit der Skalverei Auf einem Segler im 19. Jahrhundert erlebt ein Mann die Grausamkeit der Sklaverei. Er schreibt ein Tagebuch, das 1936 einen Musiker zum Komponieren anregt. Dessen Freund füttert 1973 eine Journalistin mit Fakten zu einem Komplott der Öl-Lobby. 2012 schreibt ein Autor über diesen Skandal. Sein Verleger landet in der Klapsmühle. 2144: In der Metropole Neo-Seoul zettelt eine Klon-Sklavin eine Revolution an. 200 Jahre und eine Apokalypse später erzählt ein Stammesältester Geschichten am Lagerfeuer.

Festival für Maskenbildner Jede Tat hat Folgen im Strom der Zeit, müht sich der Film um philosophischen Kitt, der das Epochen-Gehüpfe zusammenhalten soll. Menschen werden wiedergeboren: Tom Hanks, Halle Berry, Hugo Weaving, Jim Broadbent oder Ben Wishaw spielen bis zu sechs Rollen in diesem Festival für Maskenbildner.

Eine Wundertüte

Optisch ist "Cloud Atlas" ein großer Wurf, eine Wundertüte, aus der uns Sujets wie "Blade Runner", "Amistad", "Einer flog über das Kuckucksnest", "Silkwood" entgegen purzeln. Sprunghaftigkeit ist aber auch die Schwäche des Films: Bevor man warm wird mit einer Episode, wechselt er schon zur nächsten. Damit einher geht oft ein abrupter Wechsel in der Tonart. Eben noch war es in der Zukunft actionreich und hoch dramatisch, plötzlich stecken wir in einer Gegenwarts-Komödie mit fidelen Rentnern, die ihre Flucht aus dem Altersheim bewerkstelligen.

Wirr, aber schön anzuschauen

Und der Überbau von der Reinkarnation, serviert mit Pathos und schwülstigem Pastoralklang, entlarvt sich als Gefasel. Ziemlich wirr, reichlich selbstergriffen, dafür schön anzuschauen.

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