Mola Adebisi: "Ich gröhle bei Backstreet Boys mit"

Interview vor 90er-Festival

Mola Adebisi war zehn Jahre lang das Gesicht des TV-Senders Viva. Und Viva war der Kanal, den damals, in den 90ern, so ziemlich jeder eingeschaltet hat, um Musik zu hören. Musik von den Vengaboys, Dr. Alban, Captain Jack und Rednex. Am 22. April kommen diese Stars des Eurodance in die Westfalenhalle 1 zu einem großen 90er-Festival. Moderiert wird das Konzert von Mola Adebisi. Wir haben zuvor mit ihm gesprochen.

DORTMUND

, 19.04.2017, 14:03 Uhr / Lesedauer: 4 min
Mola Adebisi moderiert das 90er-Festival.

Mola Adebisi moderiert das 90er-Festival.

Auf wen freuen Sie sich in der Westfalenhalle besonders?

Ach, das ist schwer zu sagen. Ich freue mich auf die ganze Veranstaltung, weil es für mich immer eine Zeitreise ist. Dabei sind die Leute, mit denen man früher oft aufeinandergetroffen ist. Die Vengaboys zum Beispiel, aber auch Captain Jack. Da freut man sich einfach. Das ist wie ein Schultreffen, wie ein Ausflug in eine Jugendherberge.

Wird es eine Nostalgie-Party?

Nein, auf keinen Fall. Ich glaube, dass die 90er eine Musik hervorgebracht haben, die vor allem eins macht: gute Laune. Und dass das halt nie ausstirbt. Die Leute haben Spaß an dieser Musik, an diesen Songs, an den Künstlern.

Es gibt etliche 90er-Partys, die Hits werden auch gecovert. Was war das Besondere dieser Musik?

Wir hatten damals eine aktivere Musikszene. Oder sagen wir: Es war eine anders aktive Musikszene. Deutsche Dancefloor-Musik war ein Exportschlager. Man hatte Künstler aus Deutschland für Europa. Das war klasse.

Was verbinden Sie persönlich mit dieser Zeit?

Das ist ein wichtiger Teil meines Lebens. Ich habe von 20 bis 30 bei dem Musiksender Nummer 1 gearbeitet und habe die 90er-Stars kennengelernt. Die Musik hat damals gar nicht meinem Musikgeschmack entsprochen. Heute höre ich das total gerne, weil ich an Viva und vor allem die gute Zeit erinnert werde.

Was war damals Ihre Musik?

Ich habe vor allem Black Music gehört und mache das immer noch. Aber ich kann auch lautstark bei den Backstreet Boys mitgröhlen.

Würden Sie sagen, dass das Ihre große Zeit war bei Viva?

Es war auf alle Fälle eine großartige Zeit. Ob das jetzt meine große Zeit war... Das Leben verläuft ja in Wellen. Als Musikmoderator war es das auf jeden Fall. Mein persönliches Highlight war, als ich für N24 ein Automagazin moderiert und produziert habe. Das war schon nicht mehr in den 90ern (Er hat das N24 Motor-Motion von 2010 bis 2011 moderiert, Anm. d. Red.). Das liegt sicher im Auge des Betrachters.

Vermissen Sie etwas aus den 90ern?

Och, die gute Laune, die gute Stimmung. Und vielleicht die Unbeschwertheit. Heute ist man älter, man wird ernster. Früher haben wir in den Tag hineingelebt und waren ein bisschen blauäugig.

Die meisten Menschen verbinden Sie mit Viva. Stört Sie das?

Nein. Das ist ja so. Sicherlich gibt es da Vor- und Nachteile. Aber Viva ist nicht der schlechteste Stempel und wenn man zehn Jahre für den gleichen Arbeitgeber arbeitet, dann ist man ein Teil davon. Und Viva wird auch immer ein Teil von mir bleiben.

War es für Sie schwer, in anderen Bereichen als Moderator zu arbeiten?

Im Sport wäre es für mich schwierig. Aber ich habe es geschafft, im Bereich Musik und im Bereich Automobil Kompetenz zu zeigen und ich bin ganz zufrieden, dass ich in zwei verschiedenen Bereichen arbeiten kann.

Hat sich die Arbeit als Moderator verändert?

Ja, sicher. Früher war es sehr viel Teleprompter-Arbeit. Texte einfach nur runterrasseln und möglichst lebhaft darstellen. Wenn ich heute eine Sendung mache, bereite ich O-Töne vor, ich mache mir redaktionell Gedanken über den Ablauf. Ich habe nicht mehr so ein Team hinter mir, wie ich es damals hatte. Da musste ich nicht viel mehr machen, als gut aussehen, rumhüpfen und gute Laune verbreiten. Heute muss ich mir ein bisschen mehr Gedanken über den Inhalt machen.

Das ist ja nicht schlecht.

Ja, mit dem Gehirn zu arbeiten, ist auch ganz gut. Ich habe da ja ein bisschen Masse zwischen den Ohren, die mal einzusetzen, macht mehr Spaß als immer nur der Clown zu sein.

Fehlt dem Fernsehen etwas wie Viva?

Ja, auf jeden Fall. Ich glaube, die Menschen konsumieren immer noch gerne Musik. Wir haben tolle deutsche Künstler, tolle deutsche musikalische Inhalte. Wir haben leider keinen Sender mehr, auf dem das transportiert werden kann. Das sollte sich ändern. Aber: Die Leute, die einen Musiksender betreiben, die müssen auch Musik machen und davon leben.

Sehen Sie das in naher Zukunft kommen?

Ich weiß nicht, ob nicht einmal ein Streamingdienst wie Spotify oder Napster auf die Idee kommt. Wir haben ja meistens Probleme, genre übergreifend zu denken. Die einen sind im Internet und verstehen Fernsehen nicht, genau wie Radiosender keine Youtube-Kanäle machen. Da sind wir alle Fachidioten.

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Machen Sie noch selbst Musik?

Nein. Ich lege mittlerweile sehr viel als 90er-DJ auf. Das ist das, wo meine Passion, Musik zu machen, befriedigt wird. Ich habe Songs aufgenommen und fand es interessant, aber es gibt bestimmt immer bessere Sänger und Rapper, als ich das bin. Von daher sollen die das machen.

Sie haben bei etlichen TV-Formaten mitgewirkt, waren auch im Dschungelcamp. Warum haben Sie mitgemacht?

100.000 Euro. Ganz einfach.

Also nur wegen des Geldes?

Ja, es gibt keinen anderen Grund. Bestimmt nicht, weil ich das Format toll finde.

Würden Sie noch einmal mitmachen?

Mit dem, was ich heute weiß, würde ich auch noch mal mitmachen. Das war ja auch nicht in geistiger Umnachtung. Sicherlich bin ich dabei nicht so gut weggekommen. Der eine hat Glück, der andere Pech. Ich hatte halt Pech. Aber ich bereue diese Entscheidung auf gar keinen Fall. (Anm. der Red: Adebisi hatte in der Show für seine Angeberei und sein Gejammer viel Kritik bekommen.)

Was haben Sie mit dem Geld gemacht?

Ich habe es in meine Eigentumswohnung gesteckt.

Also Sie finden das Format eigentlich nicht besonders toll?

Nein, es ist ein tolles Format. Es ist eine der erfolgreichsten deutschen Sendungen. Es passt zu manchen Karrieren besser und zu manchen schlechter. Mir hat das sehr viel im Bereich DJing und Bekanntheitsgrad in einer jungen Zielgruppe gebracht. Und es hat mir im TV ein bisschen wehgetan. So kann man es ausdrücken.

Haben Sie denn auch etwas mitgenommen?

Ja, sicher Erfahrung, wie man sich in so einem Format verhält. Ich habe da schon eine ganze Menge mitgenommen. Ich war auch nicht wirklich vorbereitet. Wenn man das macht und die richtige Vorbereitung hat und man mit einem Plan reingeht und nicht nur wie ich wegen des Geldes, ist es ein tolles Format.

Gibt es denn etwas, dass Sie unbedingt gerne noch machen würden?

Ich setze mir kleine Ziele. Viele habe ich erreicht. Die großen Ziele sind Haus, Hof, Familie, glücklich sein. Das ist das Wichtigste.

Verraten Sie etwas, dass Sie im Fernsehen noch nicht erzählt haben?

(lacht) Ich glaube, ich habe ziemlich viel im Fernsehen erzählt. Was relativ unbekannt ist, ist vielleicht, dass ich eigentlich Betriebswirt und Unternehmensberater bin. Das passt vielleicht nicht so zu mir, zu meinem Äußeren und meinem Habitus. Da ist es immer ganz lustig, wenn mich Leute erkennen, wenn ich referiere oder an der Uni doziere. Die fragen sich dann immer: Was macht der Mola denn hier? Sie kennen mich zwar, aber nicht als Dozent.

Formel Eins 90er Live startet am 22. April (Samstag) um 19 Uhr in der Westfalenhalle 1. Mit dabei sind: die Vengaboys, Dr. Alban, Captain Jack, 2 Unlimited, La Bouche und Rednex. Karten kosten 25,35 bis 27,45 Euro