Molières "Der Geizige" ist ein fröhlicher Schwank

Westfälisches Landestheater

CASTROP-RAUXEL Mögen die Zeichen der Zeit auch auf "Geiz ist geil" stehen: Molières Harpagon bleibt ein abstoßender Widerling. Das unterstreicht Thilo Voggenreiters Inszenierung von "Der Geizige" im Westfälischen Landestheater gleich zu Beginn.

von Von Kai-Uwe Brinkmann

, 05.10.2009, 18:02 Uhr / Lesedauer: 1 min
Die durchtriebene Kupplerin Frosine (Vesna Buljevic) schmeichelt Harpagon (Burghard Braun).

Die durchtriebene Kupplerin Frosine (Vesna Buljevic) schmeichelt Harpagon (Burghard Braun).

Nämlich wenn sie den Knauser die erschlagene Stubenfliege zum Mund führen lässt. Mit sauertöpfischer Miene steht Harpagon (schön unsympathisch: Burghard Braun) an der Rampe und wirft übelgelaunte Blicke ins Publikum des Westfälischen Landestheaters. Die Bühne in seinem Rücken ist ein halbes Rondell aus Drehtüren, durch die die Figuren kommen und gehen. Ab und an kläfft ein Wachhund, dann kontrolliert Harpagon, ob das Haus frei von Gesindel ist.

Nach einer übertrieben eindeutigen Szene wissen wir, dass Harpagons Tochter (Julia Gutjahr) heimlich mit dem Verwalter verkehrt. Sohnemann Cleante (André Würde) will ein junges Ding aus der Nachbarschaft heiraten, nicht ahnend, dass der Vater eben dies auch vorhat. Hier liegen die Verwicklungen, mit denen Molière eine trockene Moritat komödiantisch bemäntelt hat.

Sein missbilligender Zeigefinger deutet mit einem 'So nicht!' auf Harpagon. Aus heutiger Sicht ein Misanthrop und Neurotiker, Geld raffend, stets auf eigenen Vorteil bedacht. Die Regie versucht nicht, diesen Typ an Molières Pranger menschlich aussehen zu lassen, sondern vergröbert ihn erst recht zur Holzfigur.Kein Verweis auf Raffkes von heute

Die Akteure dürfen chargieren. Der Geizhals ein Abziehbild miesen Naturells. Der Verwalter ein Speichellecker. Die durchtriebene Kupplerin (gut: Vesna Buljevic) besteht aus Schmeichelei und Geflöte. Stößt der Alte in die Trillerpfeife, gefrieren alle Mienen zu heuchlerischen Grinse-Masken...

Die Kostüme sind einziges modernes Attribut. Voggenreiter arbeitet nicht mit Neudeutung und Verweis auf die Raffkes von heute, sondern steuert die Inszenierung ins Lager von Kaspertheater und fröhlichem Schwank.

Nicht sehr gewagt, aber beifallträchtig.

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