Mord in Hagen: Serbische Botschaft bestreitet eigene Versäumnisse

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Im Fall der 38-jährigen Frau, die in Hagen mutmaßlich von einem 24-jährigen Serben erstochen wurde, hat sich jetzt die Republik Serbien zu Wort gemeldet. Sie bestreitet Fehler in diesem Fall.

Hagen

, 10.07.2020, 11:29 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am 15. Juni war in einer Wohnung in Hagen die Leiche einer 38-jährigen Frau gefunden worden. Sie war durch zahlreiche Messerstiche getötet worden. Möglicherweise trugen Pannen bei den Justizbehörden dazu bei, dass sie sterben musste. Am 16. Juni wurde ihr Ex-Freund, ein nach eigenen Angaben 24 Jahre alter Mann aus Serbien, als dringend tatverdächtig in Iserlohn festgenommen.

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Eigentlich hätte dieser Mann zum Zeitpunkt der Tat im Gefängnis sitzen müssen, denn er war 2018 in Serbien wegen Menschenhandels zu zwölf Jahren Haft verurteilt und im April 2020 in Hagen festgenommen worden. Weil angeblich Auslieferungspapiere aus Serbien fehlten, hätten die deutschen Behörden ihn am 2. Juni wieder aus der Haft entlassen müssen, hatte die Generalstaatsanwaltschaft Hamm unserer Redaktion gegenüber berichtet.

Serbien: „Alle Anträge zeitnah übermittelt“

Der unausgesprochene Vorwurf dabei: Die Behörden in Serbien hätten zu langsam gehandelt. Dem widerspricht jetzt die Botschaft der Republik Serbien in einer Stellungnahme gegenüber unserer Redaktion. Man habe „bisher alle Anträge auf Auslieferung von Bürgern der Republik Serien zeitnah übermittelt“, teilt Milica Topalovic, Erste Botschaftsrätin der Botschaft in Berlin, auf Anfrage mit. Das sei per Post oder „auf elektronischem Wege“ geschehen, „was auch eine abzeptable Zustellungsmethode bei Fristen“ sei.

Die Botschaft habe die Unterlagen beim Auswärtigen Amt, mit dem die Zusammenarbeit „bisher immer ausgezeichnet“ gewesen sei, eingereicht. Einen Einblick in den „weiteren Verlauf des Falls, der an die zuständige deutsche Staatsanwaltschaft weitergeleitet werden muss“, habe die Botschaft nicht. Der Hagener Fall sei der Botschaft „leider bekannt“, schreibt Milica Topalovic und fährt fort: „Wir betonen noch einmal, dass jeder Antrag rechtzeitig und auf eine Weise eingereicht wurde, die zuvor mit der deutschen Seite vereinbar wurde.“

Die Rekonstruktion der Chronologie der Ereignisse durch unsere Redaktion hatte ergeben, dass der 24-jährige Tatverdächtige zwar am 24. April in Hagen festgenommen, dann aber am 2. Juni freigelassen worden war, weil angeblich nicht alle Auslieferungsdokumente vorlagen. Am 3. Juni war ein neuer Haftbefehl ergangen, doch erst am 15. Juni machte sich die Polizei auf den Weg, um den 24-jährigen in Gewahrsam zu nehmen. Das Tötungsdelikt aber ereignete sich in der Zwischenzeit, nämlich zwischen dem 8. und 10. Juni.

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