Mord ohne Leiche: Spur endet in Müllverbrennungsanlage

mlzGericht

Eine Frau aus Gelsenkirchen ist seit Juni 2019 verschwunden. Ihr Ex-Freund soll sie ermordet haben. Die eingesetzten Spürhunde verloren ihre Spur damals in einer Müllverbrennungsanlage.

Geslsenkirchen, Essen

, 28.10.2020, 19:11 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie heißen „Ludwig“ und „Kalle“ und können offenbar Unfassbares leisten. Nach dem spurlosen Verschwinden der Gelsenkirchenerin Anna S. haben die beiden sogenannten Mantrailing-Hunde die Spur der 35-Jährigen von Gelsenkirchen bis nach Krefeld verfolgt – bis zu einer Müllverbrennungsanlage. Einer wollte sogar in den Müllschacht springen.

„Ludwig“ und „Kalle“ gehören einer Ärztin aus Ratingen, die immer wieder von der Polizei angefragt wird. „Diesmal ging es um das Auffinden einer weiblichen Person“, sagte die 48-Jährige am Mittwoch als Zeugin vor dem Essener Schwurgericht. Dort muss sich der Ex-Freund von Anna S. wegen Mordes verantworten. Die Leiche ist bis heute nicht gefunden worden. Er selbst schweigt zu den Vorwürfen.

„Ludwig“ wollte auf die A 42

Um die Suchhunde auf die richtige Fährte zu bringen, war ihnen ein Wattestäbchen mit DNA-Material (entnommen von einer Haarbürste aus dem Badezimmerschrank der Vermissten) unter die Nase gehalten worden. Dann ging es auch schon los.

„Ludwig hat mir relativ schnell klargemacht, dass er auf die Autobahn will“, so die Hundeführerin. Diesen Suchtrieb könne man dem Hund nicht anerziehen. „Er ist bei Jagdhunden reingezüchtet worden.“

Um die Suche auf der Autobahn fortzusetzen, war die A42 sogar zeitweise komplett gesperrt worden – in beide Richtungen. „Ludwig“ sei dann ins Auto gesetzt, an jeder Abfahrt aber wieder herausgelassen worden. „Dann konnte er selbst entscheiden, ob er auf der Autobahn bleiben möchte oder runter will.“

Spur führte zu einem Hotel

So sei die Fahrt immer weiter gegangen. Über die Rheinbrücke, dann auf die A57, bis zur Ausfahrt Krefeld-Gartenstadt. „Dort wollte mein Hund runter.“

Die Spur sei allerdings längst nicht zu Ende gewesen. Ihr Hund habe sie zu einem Hotel geführt, dass sie selbst noch nie zuvor gesehen und auch nicht gekannt habe. „Ich war dort absolut ortsunkundig“, so die Hundeführerin. „Wenn man mich dort ausgesetzt hätte, wäre die Wahrscheinlichkeit relativ hoch gewesen, dass ich nicht zurückfinde.“

Was sie nicht wissen konnte: Genau dieses Hotel spielt in der Anklage eine wichtige Rolle. Dort soll Anna S. ermordet worden sein. Es gibt ein Video, dass die 35-Jährige gefesselt auf dem Boden zeigt - mit einer Plastiktüte über dem Kopf. „Mein Hund hatte großes Interesse an einem Zimmer.“ Andere Bereiche, wie zum Beispiel der Garten, hätten ihn dagegen nicht interessiert.

Hund wollte in den Schacht springen

Vom Hotel ging es schließlich weiter zu einer Müllverbrennungsanlage. „Es gab dort zwei Schächte, die in dieselbe Grube führten“, so die Hundeführerin. „Der Geruch der gesuchten Person war an dieser Stelle in einer hohen Konzentration vorhanden.“

Was besonders beeindruckt: Die Mantrailing-Hunde einer zweiten Hundeführerin hatten unabhängig von „Ludwig“ und „Kalle“ genau den gleichen Weg eingeschlagen – von Gelsenkirchen bis nach Krefeld.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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