Mordillos Piraten entern das Schloss Oberhausen

Ausstellung "The Very Optimistic Pessimist"

Die Ludwig Galerie in Oberhausen widmet dem argentinischen Zeichner Guillermo Mordillo eine riesige Schau – und die ist nicht nur lustig, sondern auch überraschend tiefgründig.

OBERHAUSEN

, 22.09.2017, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Leben ist ein Drama. Aber ein lustiges. Da steht ein kleiner Kerl am Abgrund und lässt einen Stein hineinplumpsen. Er merkt gar nicht, dass von oben ein viel größerer Stein auf ihn zu fallen droht. Sein Hund rennt herbei, um ihn aus dem Weg zu schubsen – wird ihn aber vermutlich erst recht in die Tiefe stoßen. Kann das noch gut ausgehen? Das verrät die Zeichnung von Guillermo Mordillo nicht. Aber wir lernen daraus: Der 85-Jährige aus Argentinien ist ein Meister des Humors. Aber seine Sicht auf das Leben ist tragikomisch.

„Er zeichnet bis heute täglich und hält alles in kleinen Büchlein fest“, erzählte Linda Schmitz, die junge Kuratorin der Schau, bei der Vorstellung ihrer ersten Ausstellung. „Die meisten Ideen hat er, wenn er sich zum Mittagschlaf hinlegt“, fügte Christine Vogt als Leiterin der Ludwig Galerie im Schloss Oberhausen hinzu. Die beiden hatten den Künstler in seinem Studio in Monaco besucht und ihn überredet, seine Werke nach Oberhausen auszuleihen. Denn Mordillo hat in seinem Leben nur zwei Originalzeichnungen verkauft – beide für einen guten Zweck.

150 Originale ausgeliehen

Alle anderen hütet der Künstler, der nach Stationen in Peru, Paris und New York heute neben Monaco auch auf Mallorca lebt, wie seinen Augapfel. Trotzdem hat er 150 handgezeichnete Blätter nach Oberhausen ausgeliehen, dazu 50 handsignierte Drucke. Der gute Ruf des Oberhausener Teams, das von Wilhelm Busch bis Ralf König schon viele humoristische Zeichner ausgestellt hat, habe zu Mordillos Entscheidung beigetragen, sagte Vogt. Der Untertitel „The Very Optimistic Pessimist“ (der sehr optimistische Pessimist) stammt vom Künstler selbst, daher die englische Formulierung.

Es darf geschmunzelt werden

In Oberhausen darf also geschmunzelt werden: über den Großwildjäger, der die Giraffe nicht findet, weil er längst unter ihr steht. Über die Arche auf dem Trockenen. Über die Fußballer, denen der Ball von einer Klippe gefallen ist. Über den Handwerker, der einen Kamin in Form eines weiblichen Popos mauert. Kuratorin Schmitz widmet den Mäusen (witzig!) und den berühmten Giraffen (noch witziger!) eigene Kapitel. Den ersten Stock haben die Piraten geentert: Hier hängen neue, fantastisch kolorierte Zeichnungen zu Mordillos Buch „Das Piratenschiff“. Das Kapitel „Der kritische Blick“ präsentiert auf grauem Grund Cartoons, welche die Freiheit des Einzelnen einfordern. Alles ohne Worte, alles gut verständlich – und deshalb in aller Welt erfolgreich. Doch trotz intensiver Vermarktung war es zuletzt etwas still um Mordillo geworden. So ist es das Verdienst der Ausstellung, den Künstler als (leicht knollennasen-betonten) Philosophen des Alltags zu würdigen. Seine liebenswerten Wesen entpuppen sich in der Gesamtschau als Symbolfiguren des Menschlichen, immer auf der Suche nach dem Glück und dann doch mit Pech an den Händen. Ein bisschen knollennasig sind wir doch alle.

Ludwig Galerie Schloss Oberhausen: „Mordillo“, 24.9.2017-7.1.2018, Di-So 11-18 Uhr, Eintritt 8 (ermäßigt 4) Euro, Familien 12 Euro, Katalog 29,80 Euro. Zur Ausstellungseröffnung am Samstag (23.9.) um 19 Uhr wird der Künstler selbst erwartet. Er signiert auch, wegen seines hohen Alters jedoch nur für eine beschränkte Zeit. Das Parken am Schloss Oberhausen ist übrigens wochentags jetzt kostenlos, Sa/So allerdings gebührenpflichtig. Dieser Regelung war ein heftiger politscher Streit vorangegangen.

 

 

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