Musical-Revue „Yesterdate“ präsentiert Essens wilde Jahre

Aalto-Theater Essen

Die Musical-Revue „Yesterdate“ im Aalto-Theater feiert nostalgisch verklärend die Zeit, in der Pop-Events die Stadt Essen zum Hippie-Zentrum machten.

09.02.2020, 15:50 Uhr / Lesedauer: 2 min
Karneval auf der Bühne des Aalto-Theaters: Sargent Pepper von den Beatles trifft in den Kostümen der Essener Musical-Revue „Yesterdate“ auf die amerikanischen Blumenkinder der 60er-Jahre.

Karneval auf der Bühne des Aalto-Theaters: Sargent Pepper von den Beatles trifft in den Kostümen der Essener Musical-Revue „Yesterdate“ auf die amerikanischen Blumenkinder der 60er-Jahre. © Matthias Jung

Viel Essener Lokalpatriotismus ist im Spiel bei der am Samstag im Aalto-Theater herausgekommenen Musical-Revue „Yesterdate“. Erinnert wird nämlich an die 60er-Jahre, als die Stones und die Beatles in der Grugahalle spielten und es – vor Woodstock! – Internationale Essener Songtage gab, bei denen sogar ein Frank Zappa auftrat.

Die Produktion lässt diese „gute, alte Zeit“ durch knallbunte Kostüme, Requisiten wie einen blumendekorierten VW-Bulli und vor allem Musik (Arrangements und Bandleitung: Heribert Feckler) auferstehen. Marie-Helen Joel hat dazu eine harmlose Geschichte gestrickt: Fünf musikbewegte Essener Kids von damals treffen sich in den 90er-Jahren wieder, schwelgen in Jugenderinnerungen und gestalten anschließend mitsamt einer hinzugekommenen Ehefrau und eines inzwischen auch schon erwachsenen Sohnes ein Benefizkonzert. Denn einer von ihnen hat es zum angesehenen Chefarzt gebracht, der sich für unverheiratete, minderjährige Mütter einsetzt.

Steifer Anfangsteil

Teil 1 ist sehr wortlastig und eher steif geraten. Locker wirkten die Darsteller hier bei der Premiere nur, wenn sie die eher unmotiviert eingestreuten Songs singen durften. Musikalischer Höhepunkt ist dabei ein vom siebenköpfigen Ensemble a cappella vorgetragenes Beatles-Medley. Die zahlreichen Essen-Anspielungen vom Backfisch-Gymnasium (Borbecker Mädchengymnasium) bis zu den Erdbeerfeldern in Kettwig (als angeblichen „Strawberry Fields“ der Beatles) kulminieren in einer neukomponierten Hymne, welche Zollverein zur schönsten Zeche auf Erden erklärt.

Die eigentliche Revue beginnt erst nach der Pause – und lohnt den Besuch auch für Nicht-Essener allemal. Denn Feckler und Joel gelingt da eine abwechslungsreiche Folge pointiert in Szene gesetzter Songs, die das Publikum in Partylaune versetzt. Hinreißend etwa, wie Christina Clark und Marie-Helen Joel als zwei Freundinnen am Telefon mit „Schuld war nur der Bossa Nova“ beziehungsweise „Ich will keine Schokolade“ singend über Männer plaudern. Aalto-Tenor Albrecht Kludszuweit überrascht in „Marmor, Stein und Eisen bricht“ als sehr temperamentvolle und auch körperlich überaus gelenkige Stimmungskanone.

Beatles-Schwerpunkt

Christina Clark gibt zu „A Hard Day’s Night“ die gestresste Ehefrau, wobei sie den Beatles-Klassiker ganz cool im Stil einer Jazz-Ballade vorträgt. Alexander Franzen präsentiert sich als smarter Crooner à la Frank Sinatra („Strangers in the Night“). Henrik Wager aus Manchester und der aus Bottrop stammende Musicalsänger Thomas Hohler schlüpfen in die Rollen von „Father and Son“ von Cat Stevens – eine berührende Szene. Brigitte Oelke, vom Typ her eine Joyce Fleming, wenn auch nicht ganz mit deren Stimmgewalt, hat starke Momente in „A Natural Woman“ und „Aquarius“ aus dem Musical „Hair“.

Die am 25. Juni 1966 bei ihrer Blitztournee in Essen aufgetretenen Beatles sind in „Yesterdate“ mit den meisten Songs vertreten. Das Einzige, was dabei musikalisch nicht wirklich funktioniert ist Heribert Fecklers Versuch, deren Hits „Yesterday“, „I Want to Hold Your Hand“ und „Let it be“ gleichzeitig singen zu lassen. Sei’s drum: Einen insgesamt so stimmigen Überblick über die Popmusik der 60er-Jahre kriegt man bestimmt so schnell nicht wieder geboten.

Termine: 14. 2., 27. 3., 8. / 11./ 17. 4., 16. 5., 1. 6.; Karten: Tel. (0201) 812 22 00. www.theater-essen.de