Musikverein führt Dvoraks "Stabat Mater" auf

Interview

Granville Walker führt mit dem Musikverein Dvoraks „Stabat Mater“ am Sonntag (28. 9.) im Konzerthaus auf. Im Gespräch mit Tilman Abegg spricht der 65-jährige Dirigent über Dvoraks geniale Komposition und über seine eigene Hoffnung auf Erlösung.

DORTMUND

, 23.09.2014, 12:22 Uhr / Lesedauer: 2 min
Granville Walker, Dirigent des Philharmonuischen Musikvereins und der Opernchores.

Granville Walker, Dirigent des Philharmonuischen Musikvereins und der Opernchores.

Oh, ich vermute, 14 oder 15 Minuten. Ich lasse den Saft richtig kochen, für mich ist es wichtig, dass man da nicht hetzt. Im ersten Satz steht die Mutter vor dem Kreuz Christi und trauert. Das hat auch mit Dvoraks Privatleben zu tun...

...ja, das war sicher ein wichtiger Faktor für ihn bei diesem Werk. Die Komposition fordert dem Chor viel ab, aber die Sänger sind hin und weg wegen der Schönheit dieser Musik.

Da kann ich mich nicht auf eins festlegen. Dann müsste ich Bachs Matthäus-Passion, Johannes-Passion und seine h-Moll-Messe beiseite lassen, das kann ich nicht. Außerdem bin ich ein Wahnsinnsfan von Verdis Requiem und Brahms’ Requiem. Aber dieses Stabat Mater ist etwas ganz Anderes. Es ist auch eine wunderbare Partitur fürs Orchester. Jedes Mal, wenn ich es öffne und sehe, was er für Farben daraus gemacht hat – er weiß wirklich, wie er jedes Instrument zum Klingen bringt.

Es geht von etwas ganz Schlankem, Intimem aus, fast kammermusikalisch. Es entwickelt sich aus vier Instrumenten, die allein spielen. Diese Intimität macht er besonders mit den Holzbläsern, und die Gesangsstimmen passen sich an. Es gibt Momente der Demut vor diesen Ereignissen, der Kreuzigung und dem Leid der Mutter. Manchmal ist es, als könne man die ganze Bandbreite der Emotionen noch nicht preisgeben, als sei man noch gefesselt vom Entsetzen. Und dann baut sich das Gefühl auf und breitet sich aus in den größten und wunderbarsten musikalischen Bogen, der eine universale Trauer ausgedrückt, das Mitgefühl, das die ganze Menschheit miteinbezieht in dieses Leid. In dieser Hinsicht ist dieses Werk ein Unikum.

Da ist Trost dabei. Der zehrende Schmerz, den man ausarbeitet mit harmonischen Spannungen und Dissonanzen, ist gleichzeitig mit Momenten von unheimlich starkem Trost verbunden, mit der Erlösung von dem Schmerz. Diese Bögen hören sich wunderschön an.