Mutter aus Bochum plündert 90-jährigen Nachbarn skrupellos aus

mlzLandgericht Bochum

Ein 90-Jähriger aus Bochum hatte Vertrauen zu seiner Nachbarin und gab ihr zum Einkaufen sogar seine EC-Karte mit. Die Frau (29) plünderte ihn aus, verprasste die Ersparnisse des alten Mannes.

Bochum

, 22.10.2020, 15:34 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Taten waren hässlich und gemein: Monatelang hat eine Mutter aus Bochum ihren 90-jährigen Nachbarn ausgenommen. Der Senior hatte ihr blind vertraut und ihr sogar eine eigene EC-Karte gegeben, damit sie Einkäufe und Bankgeschäfte für ihn erledigen kann.

Am Donnerstag ist die 29-Jährige in Bochum verurteilt worden. Die Strafe: 16 Monate Haft auf Bewährung.

Ausflüge mit den Kindern

Kleidung, Restaurantbesuche, Ausflüge mit den Kindern, sogar ein Kurzurlaub in Holland: Die Angeklagte hatte offenbar keine Skrupel, sich immer wieder am Konto ihres Nachbarn zu bedienen. Rund hundert Taten sind am Ende in das Urteil des Bochumer Landgerichts eingeflossen.

Ursprünglich waren es sogar noch viel mehr Fälle. Alles unter 30 Euro ist jedoch eingestellt worden, da nicht mehr rekonstruiert werden kann, was für sie oder doch für ihn gewesen ist. Im Urteil war so nur noch von rund 8000 Euro Schaden die Rede. In der Anklage hatten sich die Beträge noch auf über 20.000 Euro summiert.

„Hochbetagter Herr“ wurde schamlos ausgenutzt

„Hier ist ein hoch betagter Herr, der auf Hilfe angewiesen war, schamlos ausgenutzt worden“, sagte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer. „Seine Ersparnisse sind einfach verprasst worden.“

Der Senior habe ohnehin Probleme gehabt, auf andere Menschen zuzugehen. Zu der Angeklagten – seiner Nachbarin – habe er aber schließlich doch Vertrauen gefasst. Irgendwann sei ihm zwar klargeworden, dass er einer Betrügerin aufgesessen war, doch es sei ihm peinlich gewesen, das offen anzusprechen.

Erst bestritten, dann alles zugegeben

Vor Gericht hatte man den Rentner nicht mehr anhören können. Er ist inzwischen verstorben.

Die Angeklagte hatte die Taten zu Prozessbeginn noch vehement bestritten und behauptet, dass alles abgesprochen gewesen sei. Ihr Nachbar habe sie quasi aufgefordert, sich an seinem Konto zu bedienen, weil er selbst ohnehin keine Verwendung mehr für sein Geld habe. Im Lauf des Verfahrens hatte die 29-Jährige dann aber doch noch ein Geständnis abgelegt.

„In die Sache reingerutscht“

Die rund 8000 Euro muss sie laut Urteil nun zurückzahlen. Was die Richter ihr zugutehielten, war nicht nur ihr ansonsten unbescholtenes Leben, sondern auch ihre Reue. Ihr Verteidiger hatte es am Ende so formuliert: „Sie ist in die Sache reingerutscht. „Dann hat sich das verselbstständigt.“

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