Muttergottes ist wieder an altem Platz

Ikonen-Museum Recklinghausen

Vom heiligen Aleksandr bis hin zu Szenen aus dem Leben des heiligen Zosima reichen die Exponate im Ikonen-Museum Recklinghausen. Immerhin 223 dieser Kultbilder der orthodoxen Kirche gab es bereits zur Gründung vor 60 Jahren. Inzwischen hat sich die Sammlung mehr als verzehnfacht - und ist seit gestern wieder um eine Attraktion reicher.

RECKLINGHAUSEN

, 21.07.2016, 16:12 Uhr / Lesedauer: 2 min

Da steht sie, den Kopf gesenkt und die Handflächen nach oben gerichtet. Die Muttergottes ist lediglich 19,3 cm hoch und 7,9 cm breit. Nach vielen Jahren hat sie nun ihren alten Platz wiedergefunden - an der Seite von Johannes dem Täufer sowie den Aposteln Petrus und Paulus. Die Ikone ist Teil einer kleinformatigen Deesis - einer Fürbittenreihe - aus dem 16. Jahrhundert.

Unvollständige Reihe

Angeboten bekam das Ikonen-Museum das wertvolle Stück kürzlich von einem niederländischen Kunsthändler. Dank der Unterstützung des Fördervereins, der Gesellschaft Eikon, können die Besucher es nun in Recklinghausen bestaunen. Und das ganz zur Freude von Kustodin Eva Haustein-Bartsch, die die umfangreiche Sammlung im Museum betreut. Auch, wenn die Deesis früher "eher etwas für den Hausgebrauch" gewesen und nicht mit den meterhohen Ikonentafeln orthodoxer Kirchen zu vergleichen sei. Auch dass die Reihe nach wie vor unvollständig ist, dämpft die Freude über das neue Exponat kaum.

Bereits 1955 hatte das Museum drei der sieben Teile umfassenden Deesis erworben, auf der sich die Muttergottes und Johannes der Täufer Christus zuwenden, um Fürbitte für die Menschen beim Jüngsten Gericht einzulegen. Während die ursprünglich im Zentrum der Reihe stehende Ikone "Christus Pantokrator" im Prager Nationalmuseum zu sehen ist, ist der Verbleib der Erzengel Gabriel und Michael ungeklärt.

3500 Exponate

In die inzwischen 3500 Exponate zählende Sammlung mit griechischen, russischen, bulgarischen und sogar ägyptischen Objekten reiht sich die Neuerwerbung dennoch bestens ein. Mehr noch: Der überraschende Fund steht fast schon symbolisch für die Geschichte des Museums selbst. Denn als der einstige Direktor der Kunsthalle Recklinghausen, Thomas Grochowiak, im Jahr 1955 die Idee zur Gründung eines solchen Museums hatte, hätte er wohl kaum vermutet, dass an dem Ort, an dem es noch nicht einmal eine orthodoxe Gemeinde gab, einmal eines der bedeutendsten Museen ostkirchlicher Kunst entstehen würde.

Erst recht nicht, wenn er die Preisentwicklung der Ikonen geahnt hätte. "Damals waren Ikonen noch preiswert. Der Boom kam erst in den 1970er Jahren", weiß Haustein-Bartsch. Und auch wenn das Museum inzwischen Platzprobleme habe, finde sich immer noch eine Stelle für neue Exponate. Nur nicht mehr rechts neben dem kleinen Apostel Petrus - da steht schließlich jetzt die Muttergottes.

, Kirchplatz 2 a, Di-So 11-18 Uhr. Die neue Ikone ist ab sofort zu sehen. Die Jubiläumsausstellung „Von Drachenkämpfern und anderen Heiligen“ ist vom 2.10.2016 bis 12.2.2017 geplant.

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