Nach AfD-Streit: Kollegen verhindern ersten Deutschen an Spitze des Welt-Feuerwehrverbands

Feuerwehr

Es hätte eine Premiere werden können: Hartmut Ziebs hatte gute Chancen, erster deutscher Präsident des Welt-Feuerwehrverbands zu werden. Seine deutschen Kameraden stellten sich jedoch quer.

Berlin

04.03.2020, 13:40 Uhr / Lesedauer: 2 min
Hartmut Ziebs, Ex-Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV), wird nicht Chef des Welt-Feuerwehrverbands.

Hartmut Ziebs, Ex-Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV), wird nicht Chef des Welt-Feuerwehrverbands. © picture alliance/dpa

Es ist noch nicht vorbei mit den Personalquerelen beim Deutschen Feuerwehrverband (DFV). Der ehemalige DFV-Präsident Hartmut Ziebs hätte gute Chancen gehabt, zum neuen Präsidenten des Welt-Feuerwehrverbandes CTIF gewählt zu werden. Doch ausgerechnet seine deutschen Feuerwehrkameraden stellen sich quer.

Während der Messe Interschutz im Sommer in Hannover wird der CTIF einen neuen Präsidenten wählen. Der österreichische Feuerwehrverband hatte Ziebs als Kandidaten vorgeschlagen, er wäre der erste Deutsche in diesem Amt. Der 60-Jährige ist seit Sommer 2019 auch einer von mehreren Vize-Präsidenten des Weltverbands.

„Alle Zeichen standen positiv“, sagt Ziebs dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Unterstützung habe er etwa von den Verbänden aus den Niederlanden, Frankreich, Luxemburg und Kroatien zugesichert bekommen.

Präsidialrat gibt keine offizielle Begründung ab

Der Präsidialrat des Deutschen Feuerwehrverbands hat jetzt dagegen mit großer Mehrheit entschieden, die Kandidatur seines ehemaligen Präsidenten nicht zu unterstützen, wie ein Sprecher bestätigt. Eine offizielle Begründung gibt der Verband nicht ab, der Grund für diese Entscheidung liege „mehr im internen Bereich“, so der Sprecher. Ziebs hat daraufhin den Verband aus Österreich gebeten, den Vorschlag wieder zurückzuziehen. „Das hat keinen Zweck“, sagt er. „Wenn das eigene Heimatland einen nicht trägt, ergibt das für andere Staaten auch keinen Sinn.“

Überrascht habe ihn das Verhalten des DFV-Präsidialrats aber nicht, sagt Ziebs. Denn schon im vergangenen Jahr war ein Machtkampf zwischen Ziebs und fünf seiner sieben Vize-Präsidenten entbrannt. Die fünf Stellvertreter hatten im November den damaligen Chef des Feuerwehrverbands zum Rücktritt aufgefordert. Einen offiziellen Grund für diese Forderung habe man Ziebs bis heute nicht genannt, weshalb er den Vorgang als „ungeheuerlich“ bezeichnet.

Wochenlanger Streit, Hassbotschaften und Drohungen

Die Querelen waren als „AfD-Streit“ durch die Medien gegangen, da neben umstrittenen Personalentscheidungen auch Ziebs klare Haltung gegen AfD-Sympathisanten in den Reihen der Feuerwehr als inoffizielle Gründe für den Streit gelten.

Nach wochenlangem Streit, Hassbotschaften und Drohungen gegen ihn und seine Familie hatte Ziebs zum Jahresende seinen Rücktritt als DFV-Chef erklärt. Der Feuerwehrverband brauche jetzt einen Neuanfang, sagt er und hält daher weiterhin an seiner Forderung fest, dass auch die fünf Vize-Präsidenten ihr Amt niederlegen sollen. Als Vize-Präsident des Weltverbands ist Ziebs noch bis 2023 gewählt. „Ich habe keine Pläne, von diesem Amt zurückzutreten“, sagt er.

Im Deutschen Feuerwehrverband läuft derweil das Verfahren zur Wahl eines neuen Präsidenten. Noch bis Ende März können Kandidaten vorgeschlagen werden, über die die Delegiertenversammlung dann im Juni bei der Interschutz in Hannover abstimmt. Bisher sind keine Vorschläge eingegangen, wie der DFV-Sprecher mitteilt.

RND

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