Nach Hochhausbrand in Marl: Brandstifter (45) kommt unter Auflagen frei

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Vor siebeneinhalb Monaten schlugen aus einem Hochhaus in Marl plötzlich meterhohe Flammen. Brandstifter war ein psychisch kranker Anwohner. Das Prozessende stimmte den Mann „glücklich“.

Essen

, 02.07.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Strenge Bewährungsauflagen, aber in Freiheit: Nach einem gefährlichen Hochhausbrand in Marl hat das Essener Landgericht gegen einen ehemaligen Bewohner zwar förmlich die Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie angeordnet – die Maßregel wurde aber zeitgleich für fünf Jahre auf Bewährung ausgesetzt. Durch ein engmaschiges Netz von Kontrollauflagen steht der psychisch kranke Ex-Mieter ab sofort unter besonderer Beobachtung.

„Mein Mandant ist glücklich, jetzt wieder gesund und frei zu sein“, erklärte Verteidiger Tim F. Schubert im Anschluss an das Urteil. Dem 45-Jährigen habe der zuletzt siebenmonatige, vorläufige Aufenthalt in einer psychiatrischen Einrichtung „menschlich sehr geholfen“, so Schubert weiter. Durch die nunmehr wieder regelmäßige Medikamenten-Einnahme habe sich die psychische Erkrankung (unter anderem innere Stimmen) erkennbar wieder in den Griff bekommen lassen.

Richter: 45-Jähriger hat im Zustand der Schuldunfähigkeit Feuer gelegt

Auch im Prozess hatten Zeugen dem Ex-Mieter zuletzt durchweg ein einwandfreies, freundliches, ja sogar höfliches Verhalten attestiert. Einzig in den Wochen vor dem Brand sei der 45-Jährige, voraussichtlich durch vernachlässigte Medikamenteneinnahme, wie ausgewechselt gewesen.

Dass der 45-Jährige am 15. November 2019 in seiner Wohnung an der Marler Pommernstraße im Zustand der Schuldunfähigkeit Feuer gelegt hat, steht in den Augen der Essener Richter fest. Der 45-Jährige war am fraglichen Tag von der Polizei zur Verbüßung einer unbezahlten Geldstrafe im Gefängnis abgeholt worden. Kurz danach hatte erst ein explosionsartiger Knall das Hochhaus erschüttert, dann hatte sich ein Augenzeuge an einen „riesigen Flammenstrahl“ aus der Wohnung des Beschuldigten erinnert.

Brandstifter bekommt monatliche, ambulante Therapie

Die Brandursache war auch für einen Brandsachverständigen nicht mehr feststellbar gewesen. Rückstände von Brandbeschleunigern konnten trotz des Einsatzes von Spürhunden und Spezialgeräten nach dem immensen Löschwassereinsatz nicht mehr gefunden werden. Die Staatsanwaltschaft war von angezündetem Lampenöl als Brandbeschleuniger ausgegangen.

Der Beschuldigte hatte vor Gericht geschwiegen. Um sicherzustellen, dass von ihm künftig keine Gefahr mehr droht, haben die Essener Richter ihm unter anderem eine monatliche, ambulante Therapie in der LWL-Klinik in Herten auflegt, bei der die Medikamenteneinnahme überwacht werden soll. Zusätzlich soll in den kommenden fünf Jahren alle sechs Monate der Medikamentenspiegel überprüft und gegebenenfalls angepasst werden.

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