Nach „Umweltsau“ jetzt „Coronaleugner“: Jan Böhmermann provoziert mit Kinderchor

Satire

Das „Umweltsau“-Lied des WDR-Kinderchores schlug vor einem Jahr hohe Wellen. Am Freitagabend setzte Jan Böhmermann mit einem anderen Kinderchor jetzt nach. Aus den Omas wurden Coronaleugner

Berlin, Köln

19.12.2020, 16:52 Uhr / Lesedauer: 2 min
Jan Böhmermann beendete sein „ZDF Magazin Royale“ am Freitag mit dem Auftritt eines Kinderchores und der Neuinterpretation des „Umweltsau“-Liedes.

Jan Böhmermann beendete sein „ZDF Magazin Royale“ am Freitag mit dem Auftritt eines Kinderchores und der Neuinterpretation des „Umweltsau“-Liedes. © picture alliance/dpa

Vor einem Jahr sorgte das vom WDR-Kinderchor vorgetragene „Umweltsau“-Lied für Wirbel und Empörung. Zur Melodie von „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ sangen die Kinder einen spöttischen Text über Klimasünden der älteren Generation. Nun hat Jan Böhmermann den Eklat im Jahresrückblick seiner Late-Night-Satire „ZDF Magazin Royale“ in der Nacht zum Samstag wieder aufgegriffen.

Böhmermann empfand Kinderchor-Auftritt als runden Jahresabschluss

Das Jahr habe mit dem WDR-Kinderchor angefangen, meinte Böhmermann. „Und wir haben uns gedacht, damit der Fluch von 2020 gebrochen werden kann, beenden wir das Jahr so, wie es angefangen hat - mit dem WDR-Kinderchor.“ Damit das nächste Jahr besser werde.

Im Abspann gab es die Auflösung: Es war nicht der Kinderchor des WDR, sondern der Chor „Lucky Kids“, der zu Kölns stadteigener Rheinischer Musikschule gehört. „Wir sind in der Vergangenheit schon bei Herrn Böhmermann aufgetreten“, sagte Chorleiter Michael Kokott der dpa. Als die Lucky Kids nun für dieses Projekt wieder angefragt worden seien, habe er gern zugesagt.

Coronaleugner-Leid zu altbekannter Melodie

Der dargebotene Song begann zur Melodie von „Last Christmas“ von Wham!. Die Chor-Kinder singen dann aber wieder zur Melodie von „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“. Das Thema diesmal: Die Oma als Corona-Leugnerin. Sie wisse, es gebe „gar kein Corona, Corona, Corona“, singen die Kinder. Die Oma glaube nicht mehr an „Tagesthemen“ und ans „MoMa“, habe das Spiel durchschaut. Sie feiere Après-Ski in Ischgl, habe „keinen Bock auf Social Distance“, suche den Thrill.

Und: „Meine Oma stürmt in Schwarz-Weiß-Rot den Reichstag, den Reichstag, den Reichstag. Damit da oben endlich einer mal Bescheid sagt“. Die Oma huste jetzt im Widerstand.

Düsteres Ende von heiterem Auftritt

Dann kommt die Wendung - Böhmermann selbst tritt auf und singt getragen: „Meine Oma liegt seit vorgestern im Koma, im Koma, im Koma. Mit ‚nem Plastikschlauch in ihrem Tracheostoma (Luftröhrenschnitt)“, bevor dann alle singen: „Pandemie vorbei und meine Oma auch.“

Im Netz sorgte der Song für Kontroversen. Während die einen meinten, der Song sei unglaublich geschmacklos, feierten andere Böhmermann als genial. Dass der Auftritt in der Satiresendung zu gemischten Reaktionen führe, habe er erwartet, sagte Chorleiter Kokott. Kommentare in den sozialen Netzwerken habe er deshalb noch nicht gelesen. Zu dem Inhalt des neuen „Oma-Lieds“ könne er sich nicht äußern.

Vor einem Jahr hatte der vom WDR-Kinderchor vorgetragene „Umweltsau“-Song für Aufregung gesorgt. Es gab einen Shitstorm im Internet, gefolgt von einer Entschuldigung des WDR-Intendanten Tom Buhrow, Morddrohungen gegen WDR-Mitarbeiter und einer breiten Debatte.

dpa

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