Nachbarin erwürgt: „Kein Urteil kann den Schmerz lindern“

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Ein psychisch kranker Mann erwürgt im Wahn seine Nachbarin. Bestraft werden konnte er dafür bei der Verhandlung am Bochumer Landgericht jedoch nicht.

Bochum/Datteln

, 10.06.2020, 20:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Schreie waren nicht zu überhören. Trotzdem hat niemand der anderen Hausbewohner geholfen. Im Oktober 2019 hat ein psychisch kranker Mann aus Datteln im Wahn seine Nachbarin bedroht, geschlagen und schließlich erwürgt. Tatort war der Hausflur eines Mehrfamilienhauses. Bestraft werden konnte der 45-Jährige dafür jedoch nicht.

Laut Urteil des Bochumer Schwurgerichts gilt der Dattelner als komplett schuldunfähig. Die Ärzte sprechen von paranoid-halluzinatorischen Schizophrenie. Stimmen im Kopf, tagelanger Schlafmangel, Wut, Hass und Verzweiflung: Das war die Mischung, die der 33-Jährigen das Leben gekostet hat. Ein Zufallsopfer. Sie hatte dem Mann nicht das geringste getan.

Auf unbestimmte Zeit in die Psychiatrie

In Freiheit kommt der 45-Jährige natürlich nicht. Die Richter am Bochumer Schwurgericht haben ihn an Mittwoch auf unbestimmte Zeit in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen. Doch auch das wird für Freunde und Angehörige kaum ein Trost sein. „Kein Urteil der Welt kann den Schmerz lindern, der mit dieser Tat verbunden ist“, so Richter Josef Große Feldhaus.

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Schon eine Woche vor der Albtraum-Tat hatte der 45-Jährige seine Nachbarin mit dem Tode bedroht. „Hör auf, sonst schmeiß ich dich die Treppe runter und breche dir das Genick.“ So oder so ähnlich soll er sich geäußert haben.

Nachbarin war sogar bei der Polizei

Die 33-Jährige war sogar bei der Polizei. Doch dort bekam sie keine Hilfe. „Es wurden keine Maßnahmen ergriffen, weil dem dortigen Beamten ein Eingreifen nicht erforderlich erschien“, so Richter Große Feldhaus bei der Urteilsverkündung.

Auch die anderen Hausbewohner hatten nicht eingegriffen, als der Dattelner die 33-Jährige morgens früh im Hausflur abfing und in den Schwitzkasten nahm. „Sie schrie laut, so laut, dass die Schreie gehört wurden“, so Große Feldhaus. Trotzdem habe niemand seine Wohnung verlassen.

„Drückte den Hals zu – um zu töten“

Der Ex-Elektriker, der früher sogar verheiratet war und zwei Kinder hat, schlug den Kopf seiner Nachbarin mehrfach vor die Wand oder gegen die Tür, drückte dann so fest zu, dass die 33-Jährige bewusstlos wurde und zu Boden sackte. Hätte er nun von ihr abgelassen, wäre sie wahrscheinlich gerettet worden. „Er drückte ihr jedoch weiter den Hals zu – um sie zu töten“, hieß es im Urteil.

In einem Abschiedsbrief, der später auf dem Computer des 45-Jährigen gefunden wurde, hieß es: „Ich habe einen Menschen getötet. Es tut mir unendlich leid.“

Die Bochumer Richter sind überzeugt, dass dem Dattelner zwar bewusst gewesen sei, dass man nicht töten dürfe. Durch seine „wahnhaft verquerten“ Gedanken sei er jedoch nicht mehr in der Lage gewesen, sein Handeln zu steuern. Rein rechtlich bewerteten sie die Tat als Totschlag.

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