Nachmittage mit Mördern – 10 wahre Tätergeschichten,

Sibylle Tamin

Ruhig erzählt der Mann von seiner Ehe: von der anfänglichen Verliebtheit, dem Ja-Wort, der Geburt des Sohnes und den ersten Streitigkeiten. Keine Spur von Aggressivität - und doch gipfelt seine Erzählung darin, dass er seine Frau erschlägt. Anschließend verscharrt er ihre Leiche und wischt die Blutspuren auf. Pünktlich, bevor der Sohn von der Schule kommt.

24.01.2016, 16:06 Uhr / Lesedauer: 1 min
Nachmittage mit Mördern – 10 wahre Tätergeschichten,

Die Journalistin Sibylle Tamin hat für "Nachmittage mit Mördern - 10 wahre Tätergeschichten" das Gespräch mit verurteilten Mördern gesucht. Hat sich ganz subjektiv ihre Geschichte erzählen lassen.

Sichtweise der Täter

Dabei steht weniger eine genau Rekonstruktion der Taten im Mittelpunkt, als eher die Sichtweise der Protagonisten. Wie ordnen sie ihre Tat nach langen Jahren im Gefängnis ein? Wie leben sie mit der Schuld?

Die Bandbreite ist dabei riesig: von der älteren Dame mit tadellosem Lebenslauf, die eine pflegebedürftige Nachbarin bestohlen und ermordet haben soll - die Tat aber auch Jahre nach der Verurteilung abstreitet, bis zum mehrfach vorbestraften Kleinkriminellen, dessen Lebenslauf sich früh in eine bestimmte Richtung entwickelt und bei dem absehbar scheint, wann er völlig die Kontrolle verliert.

Gesprächsprotokolle

Angenehm zurückhaltend schreibt Sibylle Tamin die Gesprächsprotokelle auf, kommentiert nur sehr vorsichtig. Als Leser kommt man schnell ins Nachdenken, grübelt über Schuld und Strafe. Eine spannende und intensive Lektüre.

 

Sibylle Tamin: Nachmittage mit Mördern - 10 wahre Tätergeschichten, 320 S., Fischer, 9,99 Euro, ISBN 978-3-596-03191-7.

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